Reif aus dem Stadion : Zum Titel geht es nur über München - und Dortmund

Unser Kolumnist Marcel Reif sieht nach dem furiosen Auftakt des BVB ein fußballerisches Naturgesetz infrage gestellt: dass der FC Bayern in der Bundesliga das alleinige Maß aller Dinge ist.

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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Der FC Bayern München ist das Maß aller fußballerischen Dinge in Deutschland? Nun ja, das hat man immer gesagt zu Beginn einer jeden Saison, und eigentlich war es, von Ausrutschern abgesehen, auch immer richtig. Nach Beginn der Saison 2011/12 bin ich mir nicht mehr sicher, ob dieses vermeintliche Naturgesetz noch gilt. Hat der FC Bayern einen Mario Götze? Heißt der FC Bayern jetzt BvBayern München? Steckt er einen Verlust von Barrios/Subotic/Sahin weg, als sei das nichts? Sagen wir mal Robben/Ribery/Lahm? Und noch einmal Götze. Hat der FC Bayern einen in seinen Reihen, der es aufnehmen kann mit Xavi, Iniesta, Messi? Der BvB aus Dortmund hat ihn, der hat einen in seinen Reihen, dessen Fähigkeiten vor wenigen Jahren einem Deutschen nicht zuzutrauen gewesen wären. Ein Spiel nur ist vielleicht etwas zu wenig für Euphorie, aber dieses Spiel setzt halt eine Saison fort. Gerade so, als habe die Borussia aus Dortmund die Pause nicht genutzt, um satt zu werden. Sie macht einfach so weiter in der puren Freude, beängstigend für die Konkurrenz, wenn sie denn noch eine ist.

Die Bayern haben sich den Trainer geholt, der wohl der alleinige Garant ist für die dringend notwendige Entschleunigung. Mit Jupp Heynckes muss sich niemand sorgen um die Solidität des FC Bayern. Man muss sich auch nicht sorgen um die Attraktivität. Sie haben sich punktuell und sehr schlau da verstärkt, wo Verstärkung nötig war, sie werden das Desaster der Vorsaison nicht noch einmal zulassen und auch nicht, ich bin sicher, erleben. Aber wird reichen, was eigentlich immer gereicht hat? Vielleicht wird den BvB die Champions League belasten. Vielleicht aber, und der Auftakt lässt dergleichen vermuten, vielleicht auch nicht. Die übliche vorsaisonale Frage, wer denn nun Zweiter werden wird, stellt sich nun nicht mehr. Man darf sich ernsthaft fragen, wer denn Erster wird, und muss dabei nicht auf Münchner Unpässlichkeit hoffen. Die Borussia aus Dortmund ist darauf nicht angewiesen.

Noch ein Wort zur Hertha. Die Hertha ist kein normaler Aufsteiger, Hertha war auch in der Vorsaison in der Zweiten Liga Erstligist, einer der sich verirrt hatte. Daraus Ansprüche abzuleiten, Begehrlichkeiten, Hoffnungen wäre fatal. Das ist beim 0:1 gegen Nürnberg mehr als deutlich gerworden. Hertha muss sich über jeden Punkt freuen, mehr wird nicht drin sein in dieser Saison. Das Maß aller fußballerischen Dinge wird nicht in der Hauptstadt vermessen. Das wird in Bayern angelegt. Und in Westfalen.

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