Sport : Reif für den Sieg

Lewis Hamilton gewinnt in Kanada sein erstes Formel-1-Rennen – Nick Heidfeld wird Zweiter

Karin Sturm

Berlin - Eigentlich sollte der erste Sieg von Lewis Hamilton ein Riesen-Ereignis sein – aber auch wenn sein Vater Anthony völlig sprachlos war und das Team von McLaren-Mercedes seinen Jungstar, der jetzt auch mit acht Punkten Vorsprung auf Weltmeister Alonso allein die WM-Führung übernommen hat, feierte: So ganz ungetrübt konnte die Begeisterung gestern außer bei den Briten nicht überall sein. Schließlich drohte der erste Formel-1-Sieg des 21-Jährigen in seinem sechsten Rennen im Chaos des Großen Preises von Kanada in Montreal beinahe unterzugehen.

Vier Safety-Car-Phasen, unzählige Unfälle, Strafen, ein Riesendurcheinander, zehn Ausfälle – so einen verrückten Grand Prix hatte die Formel 1 schon lange nicht mehr erlebt. Dass man am Ende nur von verrückt und nicht von tragisch sprechen konnte, war freilich fast ein Wunder: Denn erst einmal stand alles im Schatten des Unfalls von Robert Kubica, der sich dann aber als nicht so folgenschwer herausstellte wie zunächst befürchtet (siehe Text links).

So konnte sich Hamilton dann doch noch richtig freuen: „Das ist fantastisch. Das ist wahrlich Geschichte. Ich war schon lange bereit für den ersten Sieg“, sagte der Brite, der seinen Erfolg mit einem Jubelsprung von seinem Auto feierte. „Es war ein toller Tag, es hat alles gepasst, ich widme diesen Sieg meinem Vater, ohne den dies alles nicht möglich gewesen wäre.“ Aber auch die beiden anderen Fahrer auf dem Podest konnten jubeln: Nick Heidfeld vor allem, der Teamkollege von Kubica, der dem BMW-Team nach dem Riesenschreck um den Polen doch noch eine große Freude bescherte, und der völlig überraschend Drittplatzierte, Alexander Wurz im Williams. Er war der große Gewinner des ganzen Durcheinanders und war von Startplatz 19 mit einer Einstopp-Strategie auf Rang drei nach vorne gekommen. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sagte nach Heidfelds Zieldurchfahrt: „Wir könnten uns hier nicht so freuen, wenn wir nicht wüssten, dass Kubica fast nichts passiert ist. Es war ein starkes Wochenende von Nick, vielleicht sein bisher bestes Rennen überhaupt.“

Der so Gelobte war auch ein bisschen stolz: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Wochenende. Vor allem die Tatsache, dass ich auch bei normalem Verlauf wohl Zweiter geworden wäre, freut mich sehr.“ Weltmeister Fernando Alonso erlebte hingegen einen verkorksten Tag. Schon am Start patzte der Spanier bei dem Versuch, seinen Teamkollegen Hamilton gleich zu überholen und fiel hinter Heidfeld auf Platz drei zurück. Es folgte eine Strafe wegen eines Boxenstopps in der Safety-Car-Phase, „aber wir mussten ihn reinholen, weil er sonst mit leerem Tank stehengeblieben wäre”, wie Mercedes-Sportchef Norbert Haug erklärte.

Auch er freute sich auch sehr über den Erfolg von Hamilton: „Erst einmal bin ich froh, dass es Robert gut geht. Aber Lewis war eine Sensation, er war unheimlich dominant. Es war ein total verrücktes Rennen, er hat einen kühlen Kopf behalten.“

Alonso versuchte dann zwar mit viel Wut im Bauch immer wieder Boden gut zu machen, doch außer einer größeren Anzahl weiterer Ausrutscher und einem am Ende ziemlich beschädigten Auto, mit dem er zum Schluss sogar noch Takuma Sato passieren lassen musste und als Siebter gerade noch zwei Punkte rettete, kam nicht mehr viel heraus.

Das Schicksal des Boxenstopps zum falschen Zeitpunkt teilte Alonso mit Nico Rosberg, der so alle Chancen auf Punkte verlor, und am Ende nur Zehnter wurde. Ralf Schumacher dagegen leistete sich im Gegensatz zu vielen anderen seiner Kollegen, darunter auch seinem Teamkollegen Jarno Trulli, keine unnötigen Fehler und kam so immerhin noch auf Platz acht – sein zweiter WM-Punkt in dieser Saison. „Das war das Beste, was man rausholen konnte, weil wir wussten, dass wir hier nicht so schnell sind”, sagte er.

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