Sport : Reif geworden

Trainer Götz hat bei Hertha seinen Stil gefunden

Stefan Hermanns

Berlin - Falko Götz verabschiedete sich mit einem Lächeln in die Winterpause. Neben ihm saß Ewald Lienen, der Trainer von Hannover 96, und wetterte mit heiligem Eifer und abstrusen Argumenten gegen den Schiedsrichter, der ein Tor für Hannover nicht gegeben hatte. Wenn Götz auf die Anwürfe reagiert hätte, wäre vermutlich eine heftige Diskussion entbrannt. Aber der Trainer von Hertha BSC schwieg – und lächelte. Es war kein Ausdruck von Überheblichkeit, eher ein Zeichen für innere Gelassenheit.

Diese Gelassenheit kommt bei dem 42-Jährigen nicht von ungefähr. Sie ist vielmehr das Resultat eines erfolgreichen Jahresabschlusses mit dem Berliner Fußball-Bundesligisten: Seit sieben Spielen ist Hertha ungeschlagen, keine Mannschaft hat in der Hinrunde weniger Gegentore kassiert, keine seltener verloren. „Falko Götz hat wesentlich dazu beigetragen“, sagt Dieter Hoeneß. „Er hat die Mannschaft fußballerisch stabilisiert.“

Die Entscheidung, Götz nach Berlin zurückzuholen, war Hoeneß nach dem missglückten Versuch mit Huub Stevens als Weg des geringsten Widerstandes ausgelegt worden: Mit dem beliebten Götz habe er gar nichts falsch machen können. In Wirklichkeit war die Rückholaktion ein Wagnis.

Seit seinem Weggang aus Berlin im Sommer 2002 war nämlich noch ein zweiter Falko Götz aufgetaucht. Zum einen gab es den Berliner Falko, der Hertha einst jung und dynamisch hatte wirken lassen; zum anderen den Münchner Götz, der bei 1860 dem Jugendwahn verfallen zu sein schien, vermeintlich gewachsene Strukturen zerschlagen hatte und in München noch heute als Verantwortlicher für den Abstieg gilt.

Der Erfolg des Falko Götz im zweiten Halbjahr 2004 ist eine Synthese aus den frühen Berliner Erfahrungen und den unerfreulichen Münchner Geschehnissen des Frühjahrs. „Er ist durch die Erfahrung in München einfach reifer geworden“, sagt Hoeneß. Bis sich diese Reife für Hertha ausgezahlt hat, hat es jedoch eine gewisse Zeit gedauert. Die Begegnung gegen Mainz 05 am dritten Spieltag hat dabei eine wichtige Rolle gespielt.

Im Heimspiel gegen den Aufsteiger hatte sich Götz für eine übervorsichtige Aufstellung entschieden: mit einem Stürmer, einer doppelten Absicherung im defensiven Mittelfeld und nur zwei Spielern, die jünger als 25 waren. Das Spiel endete entsprechend – 1:1. Das war nicht der Falko Götz, den Manager Hoeneß von früher kannte. Offensiv sollte Hertha unter dem neuen Trainer spielen und möglichst mit vielen jungen Leuten. „Wir mussten ihn erst ermutigen, wieder auf seine ureigenen Stärken zu setzen“, sagt Hoeneß.

Inzwischen ist Götz mit Hertha auf dem richtigen Weg. Spieler, die vor der Saison noch als Talente galten, sind unter ihm zu Stammspielern geworden: Alexander Madlung (22), Malik Fathi (21), der von allen Verteidigern die meisten Spiele bestritten hat, oder Nando Rafael (20), der Fredi Bobic und Artur Wichniarek verdrängt hat. Auch der zurzeit verletzte Christian Müller zählt dazu. „Das sind definitiv feste Größen“, sagt Herthas Manager.

Falko Götz hat seinen Stil gefunden. „Er hat genau die Erwartungen erfüllt, die wir in ihn gesetzt haben“, sagt Hoeneß. Anders als in München bringt Götz die jungen Spieler nicht, weil sie jung sind, sondern weil sie sich im Training aufdrängen. „Ich erwarte eine Entwicklung“, hat Götz immer wieder gesagt.

Für die Spieler, die das nicht verstehen wollten, ist er auch deutlicher geworden. Über seinen Ziehsohn Thorben Marx hat er einmal gesagt: „Das war alles so eine Einheitssoße.“ Und jemand wie Alexander Ludwig, der zwar jung ist, sich aber offensichtlich dem Leistungsprinzip verweigert, hat bei Götz überhaupt keine Chance. „Er hat alle Voraussetzungen“, sagt Herthas Trainer. „Aber wenn er sie nicht nutzt, muss er mit den Folgen leben.“ Falko Götz ist in dieser Hinsicht ziemlich gelassen.

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