Sport : Reife Leistung

Friedhard Teuffel

empfiehlt den Leichtathleten, auf die Alten zu setzen Vom Ideal Pierre de Coubertins bleibt auch gar nichts mehr übrig. Es sollten sich doch bei den Olympischen Spielen alle vier Jahre Amateure aus der ganzen Welt in verschiedenen Disziplinen messen. Und was ist daraus geworden? Eine Veranstaltung professioneller Spezialisten. Außerdem hatte sich Coubertin einst ein Treffen der Jugend der Welt vorgestellt. Aber wie sich jetzt bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Helsinki zeigt, könnte bei den Spielen 2008 eine dann 40 Jahre alte Diskuswerferin die größte deutsche Medaillenhoffnung sein: Franka Dietzsch.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte bis zuletzt auf Coubertin gehört und Dietzsch nicht in den so genannten Pekingkader berufen. Stattdessen sollten Nachwuchsathleten aufgebaut werden. Jugendwahn? Altersdiskriminierung? Nicht unbedingt, nur hat der Verband Dietzschs Modell vom Leistungssport nicht zu schätzen gewusst. Diskuswerfen alleine ist ihr zu wenig, deshalb arbeitet sie auch noch bei der örtlichen Sparkasse. In manchen Monaten betreibt sie lieber Nordic Walking, als sich im Kraftraum zu schinden. Daher kann sie ihrem Körper auch jetzt noch so viel zumuten.

Der Verband sollte Franka Dietzsch nicht gleich zum alleinigen Vorbild erheben, aber sie muss auch keine Ausnahme bleiben. Der Verband könnte seinen Athleten einfach mehr Zeit zum Reifen schenken. Viele Athleten sind zu früh zu gut, weil die Trainer nur an die nächste Junioren-Europameisterschaft denken und nicht an wichtigere Ziele in der Zukunft. Während vor einigen Jahren eine Karriere im Spitzensport oft nur so lange dauerte wie ein Jurastudium, wird sie bei Dietzsch das halbe Berufsleben ausmachen. Sie hat sich ihre Kräfte eingeteilt. Das Ergebnis ist eine reife Leistung, der Weltmeistertitel mit 37 Jahren – und eine lang anhaltende Freude am Sport. Auch das ist ein schönes Ideal.

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