Reifen : Der Preis ist Verschleiß

Auf den ersten Blick sind sie nur schwarz und rund und doch waren die Reifen vor dem Großen Preis von Australien das beherrschende Thema. Die neuen Formel-1-Reifen sind weniger haltbar – dadurch sollen die Rennen spannender werden.

Karin Sturm

Auf den ersten Blick sind sie nur schwarz und rund und doch waren die Reifen vor dem Großen Preis von Australien das beherrschende Thema.

Viele Fahrer hatten Bedenken wegen des hohen Verschleißes der vom Hersteller Pirelli produzierten Reifen geäußert. Von mindestens vier zu erwartenden Reifenwechseln war nach den letzten Tests in Barcelona noch die Rede. Nach den ersten beiden Freien Trainings in Melbourne zeigt sich aber: Die Befürchtungen werden sich wohl nicht bestätigen. „Die Reifen, die im Vorfeld hart kritisiert wurden, haben heute richtig gut gearbeitet. Es war sehr angenehm, die Pirelli-Reifen zu fahren“, erklärte etwa Mercedes-Pilot Michael Schumacher. Und auch Jenson Button, im McLaren etwas überraschend Trainingsschnellster vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton, findet: „Es ist im Vergleich zu den Testfahrten deutlich besser geworden.“

Die FIA hatte Pirelli als Nachfolger von Bridgestone die Vorgabe gegeben, nicht ganz so haltbare Reifen zu produzieren, um die Rennen abwechslungsreicher und spannender zu machen. Dass dies passieren wird, davon ist Mercedes-Teamchef Ross Brawn überzeugt. „Es geht nicht nur um den Reifen, sondern um die Situationen, die sie kreieren werden. Zum Beispiel, wie man mit Safety-Car-Phasen umgeht, wie man sie einkalkuliert, wie sie sich auswirken. Da wird öfters mal einiges umgekrempelt werden. Mit Sicherheit werden die Teams in der ersten Saisonhälfte versuchen, das richtige Gleichgewicht zu finden“, sagte Brawn.

Nick Heidfeld glaubt, dass damit auch der Einfluss der Fahrer bei Strategieentscheidungen wichtiger werden wird: „Letztlich muss man als Fahrer spüren, wie sich der Reifen entwickelt.“ Reifen schonen, aber dabei nicht zu viel Zeit verlieren, genau im richtigen Moment an die Box kommen, bevor der Reifen plötzlich anfängt, komplett abzubauen und man mehrere Sekunden pro Runde verliert, das wird eine große Herausforderung für Fahrer und Teams. Und im Qualifying gilt: Man hat wohl in den allermeisten Fällen pro Reifensatz wirklich nur noch eine einzige Runde für eine schnelle Zeit – passiert da ein Fehler oder steht ein anderer im Weg, sind alle Chancen vertan.

Was viele Fahrer stört: Die Kombination aus recht schnell abbauenden Reifen und dem im vergangenen Jahr eingeführten Nachtankverbot wird zumindest in der ersten Phase der Rennen zu extrem langsamen Rundenzeiten führen, bis zu zehn Sekunden hinter den Trainingsbestzeiten. „Das ist doch keine Formel 1 mehr“, findet Lewis Hamilton, der Weltmeister von 2008. Denn auch wenn sich die Piloten weiterhin am Limit des Autos bewegen, sie selbst fühlen sich bei dieser Fahrweise zumindest nicht so gefordert. „Rein körperlich kommt man da überhaupt nicht mehr an seine Grenzen“, sagt Nick Heidfeld. Und auch Weltmeister Sebastian Vettel meint: „Natürlich macht Formel-1-Fahren mehr Spaß, wenn man auch richtig schnell unterwegs ist.“

Wobei vieles dafür spricht, dass Vettel von all seinen Kollegen auf Dauer 2011 am schnellsten unterwegs sein wird – auch wenn er am Freitag auf der Zeitenliste nur auf Platz vier landete. Aber beim Vergleich über längere Distanzen lag Vettel eindeutig vorn. Am Red Bull scheinen die Reifen am besten zu halten.

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