Sport : Rein privat

Stefan Hermanns

Es gibt derzeit keine gesicherten Erkenntnisse darüber, welchen Beruf Jürgen Klinsmann ausübt; klar ist eigentlich nur, welchen er nicht mehr ausübt: den des Bundestrainers der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Direkt nach der Weltmeisterschaft hat er sich in die USA zurückgezogen, zu Frau und Kindern, viel mehr wissen die Deutschen im Moment nicht von ihm. Klinsmann will es so.

Schon als Bundestrainer hat Klinsmann versucht, sich so viel Privatsphäre zu bewahren wie irgend möglich. Einfach war das nicht, weil er qua Amt nicht nur eine öffentliche Person war, sondern als Bundestrainer quasi eine hoheitliche Aufgabe für die Bundesrepublik Deutschland ausgeübt hat. Alle Ansprüche der Öffentlichkeit haben sich allein daraus abgeleitet.

Seit Klinsmanns Rückzug bestehen diese Ansprüche nicht mehr, und insofern müsste man es verstehen, dass er das im Sommer verliehene Bundesverdienstkreuz nun rein privatissime aus der Hand der Bundeskanzlerin in Empfang nehmen will. Jürgen Klinsmann kommt nach Berlin, aber wenn er Angela Merkel trifft, darf – angeblich auf seinen Wunsch – niemand dabei sein. Das Problem ist: Nicht der Privatmann Klinsmann bekommt das Verdienstkreuz, sondern der Bundestrainer Klinsmann, stellvertretend für seine Mannschaft, aber irgendwie auch stellvertretend für das ganze Land, das die Fußballer im Sommer durch das Turnier getragen hat.

Die Missachtung des Publikums ist eigentlich noch schlimmer als die Missachtung des Bundespräsidenten, der inzwischen mehr als ein halbes Jahr darauf wartet, dass sich Herr K. über den Atlantik bequemt, um sich das Verdienstkreuz an die breite Brust heften zu lassen. Zum Glück ist Horst Köhler nicht so verbohrt wie Jürgen Klinsmann. Sonst hätte er die Ehrung längst mit der Post in die USA geschickt. Per Nachnahme.

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