Reine Formsache. Die Fitness-Serie (2) : Mit Schritt auf Tritt

HEUTE: STEP FITNESS Personal Trainer Andreas Einicke zeigt, wie schnell Problemzonen verschwinden.

Anja Brandt
Voller Lebensfreude. Trainer Andreas Einicke probiert überall gerne neue Schritte aus – im Fahrstuhl, am Bahnsteig oder wie hier auf einer Treppe. Foto: Mike Wolff
Voller Lebensfreude. Trainer Andreas Einicke probiert überall gerne neue Schritte aus – im Fahrstuhl, am Bahnsteig oder wie hier...

Treppchen rauf, Treppchen runter im monotonen Auf und Ab, das war einmal. „Längst vorbei“, sagt Andreas Einicke. Zum Beweis legt der großgewachsene Fitnesstrainer gleich los: Eine Drehung nach rechts, eine nach links – elegant kreisen seine Arme zu den Beinbewegungen – und immer schön in Bewegung bleiben. Sieht ziemlich kompliziert aus. Aber irgendwie schafft Andreas Einicke das, ohne sich die Beine zu verknoten oder über das Stepbrett zu stolpern. Auch seinen Schülern bringt er Step-Fitness-Training spielerisch bei. Durch die Auf- und Abbewegung wird die gesamte Beinmuskulatur trainiert und das Herz-Kreislauf-System gestärkt. 15- bis 20-minütige Trainingseinheiten empfiehlt Einicke. Das Poster, das heute beiliegt, zeigt, wie das Training durch verschiedene Übungen abwechslungsreich gestaltet werden kann – und mit Musik geht es noch beschwingter.

Andreas Einicke kennt sich aus in seinem Metier, beherrscht die Einheiten und beherrscht die Feinheiten. Er ist spezialisiert auf Fitnessübungen mit Tanzelementen, im Fitnessjargon nennt man das „Dance-Step“ und „Dance-Aerobic“.

Eigentlich müsste Einicke heute Maschinen zeichnen, denn das hat der studierte Wirtschaftsingenieur gelernt. Doch sein Leben läuft in anderen Bahnen, seit er 1999 ein Fitnessstudio besuchte. „Das war mal ein Versuch, wieder etwas mehr Sport zu machen“, sagt der 36-Jährige. Zwar habe er früher Tischtennis gespielt, gerudert und geboxt – doch das alles hatte er nach und nach wieder gelassen. Im Fitnessstudio probierte Einicke anfangs viel aus, vor allem Kurse wie „Spinning“. Das ist ein Gruppentrainingsprogramm, das meist als Ausdauersport auf stationären Fahrrädern absolviert wird. „Hilft, Problemzonen zu beseitigen“, sagt Einicke schmunzelnd. „Die Kurse machten mir unglaublich viel Spaß.“ Die Bewegung, die Musik, das Zusammensein mit anderen Kursteilnehmern. Und er hat gemerkt, dass ein Talent in ihm schlummert. „Das mit der Koordination habe ich schnell hinbekommen und die Schritte verstanden. Daher war ich gleich gut dabei.“

Als ihn seine Trainerin fragte, ob er nicht selbst Trainer werden wolle, sagte er Ja, nahm an seinem ersten Trainerseminar teil und hatte schließlich den Trainerschein für Gruppenfitness in der Tasche. So wechselte Einicke auf die Trainerseite. „Es kannten mich natürlich viele Leute in dem Kurs“, erzählt er, „aber das war eher positiv.“ Aufgeregt war er trotzdem.

Das Ingenieurstudium schloss Einicke zwar ab, doch sein Geld verdient der Köpenicker längst mit Sport. „Die hauptberufliche Existenz als Trainer hat sich ganz von selbst entwickelt.“ Seit 2000 gibt er nun regelmäßig Kurse. Dance-Step und Dance-Aerobic sind seine Steckenpferde geworden. Bis zu 25 Kurse in der Woche waren es manchmal.

Für fast jeden Kurs dachte Einicke sich eine neue Choreografie aus. „Ich finde es langweilig, immer das Gleiche zu machen.“ Im Fahrstuhl, am Bahnsteig, überall probiert er Schritte aus, die ihm in den Sinn kommen. Zettel und Stift hat er immer dabei. Wie man so ein Programm durchhält? Mit Spaß. „Für mich ist das Wichtigste, dass die Kursteilnehmer sich wohlfühlen, dass sie Spaß haben, dass sie nach dem Kurs das Gefühl haben, etwas geschafft zu haben.“ Als Trainer gibt er den Leuten Lebensfreude. „Und das ist toll.“

In den vergangenen Jahren ist Einicke zunehmend in die Organisation von Kursen für das Fitnessstudio „Holmes Place“ eingestiegen. Fast ein Jahrzehnt hatte er beruflich Vollgas gegeben, seit im Mai 2010 sein Sohn geboren wurde, tritt er etwas kürzer.

Selber Kurse zu geben, vermisst er allerdings doch ziemlich. Erstens, behauptet er, mache sich das Weniger an Sport an seiner Figur bemerkbar. Und zweitens: „Mir fehlt das Glücksgefühl, wenn man da vorne vor den Leuten steht und sieht, die haben Spaß!“

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