Reine Formsache. Die Fitness-Serie (4) : Den Stress vergessen

HEUTE: YOGA Joachim Koch weiß, wie man den Weg zur zur körperlichen und seelischen Einheit findet.

von
Ganz entspannt im Hier und Jetzt. Yoga-Trainer Joachim Koch ist überzeugt, sein Entspannungstraining wirkt wie ein „innerer Masseur“. Foto: Mike Wolff
Ganz entspannt im Hier und Jetzt. Yoga-Trainer Joachim Koch ist überzeugt, sein Entspannungstraining wirkt wie ein „innerer...

Das Licht ist gedämpft. Die Spiegel und Fenster sind mit einem weißen Vorhang verdeckt, auf dem Holzboden liegen im Raum verteilt die Yogamatten. Zu den Klängen sanfter Musik begleitet Yogalehrer Joachim Koch, genannt Jo, seine Kursteilnehmer auf eine Reise ins Ich, damit sie ihre körperlichen und seelischen Grenzen finden und sich sammeln. Denn darum geht es beim Yoga.

„Wer sich den Übungen vollständig hingibt, vergisst alles andere und kann sich trotz körperlicher Anstrengung entspannen“, verrät Jo. Und tatsächlich, wenn man sich auf die Abfolge der Haltungen und die dazugehörige Atmung konzentriert, bleibt kein Platz für Einkaufslisten, Streit mit dem Chef oder dem überzogenen Bankkonto. Vor allem im Vinyasa Flow Yoga, das Jo lehrt, spielt neben den ineinander fließenden Übungen die Atmung eine ganz zentrale Rolle. „Viele sind überrascht, wie tief man atmen kann oder, dass man den Atem auch in den Rücken lenken kann, um dort Spannung zu lösen“, sagt der erfahrene Lehrer. „Dazu muss man sich vom Alltagsatem verabschieden und in eine tiefere Atmung kommen. Der Parasympathikus wird dann angeregt und sorgt für Erholung und Regeneration. Die Atmung wird zum inneren Masseur.“ Und dass dieser innere Masseur heilsam wirkt, weiß Jo aus eigener Erfahrung.

Bevor er Yoga-Lehrer wurde, war er Geschäftsführer einer Eventagentur. „Mein Job war extrem wichtig für mich“, erzählt er: „Bis irgendwann die Sicherung durchgebrannt ist."Dann ist er zufällig in einen Yoga-Kurs geraten – und blieb dabei. „Yoga wurde für mich zur Kur und mein einziger Halt in der Krise“, sagt er. Und so wurde aus dem Eventmanager ein Yogalehrer, der zwar immer noch beratend in der Medienbranche tätig ist, aber seine wahre Berufung als Yogi gefunden hat.

„Menschen waren schon immer mein Fokus“, sagt Jo. „Das Heilen ist für mich das Schöne an meinem Job.“ Mit Yoga könne man gerade den gestressten Stadtmenschen wieder erden, entschleunigen und sensibilisieren. „Der straffe Bauch und die anderen körperlichen Effekte sind ein Geschenk, aber in Wahrheit ist der heilsame Prozess ein innerer“, sagt er. „Man spürt die Veränderung durch Yoga auf der körperlichen und auf der geistigen Ebene, wobei man an seine Grenzen geht und dann den Geist beobachtet. Läuft man weg? Wird man widerstandsfähig? Die körperliche Erschöpfung ist dabei wohltuend und der Stress wird raus gerieben. Wer sensibilisiert ist, trifft bessere Entscheidungen.“ Das sei das eigentliche Geheimnis von Yoga und der Grund, warum Yogis Zuversicht und Gelassenheit ausstrahlen.

Ein Übungszyklus, der in kaum einer Yogastunde fehlt, ist der Sonnengruß. Er vereint einige der wichtigsten Körperhaltungen, die man Asanas nennt, und wird in der Regel mehrmals wiederholt. Dabei kann man von Wiederholung zu Wiederholung die Intensität steigern, etwa durch eine noch tiefere Atmung – die kontrollierte Atmung, Pranayama genannt, ist ein ganz wesentlicher Bestandteil jeder Yogaübung – oder durch das Erreichen eines befreiten geistigen Zustands. Jo macht mit seinen Schülern den klassischen Sonnengruß, Surya Namaskar, wobei er eine Haltung vereinfacht hat. „Normalerweise folgt nach der Bretthaltung eine Haltung, die man ‚Knie, Brust und Stirn' nennt. Der Körper bildet am Boden eine Art Schlangenlinie, indem nur die Knie, Brust und Stirn abgelegt werden“, erklärt er. Jo senkt stattdessen die Knie zum Boden und lässt danach den restlichen Körper gestreckt folgen. Dieser Ablauf sei gerade für Anfänger leichter nachzuvollziehen.

Insgesamt eignet sich der klassische Sonnengruß aber als ganzheitliches Programm für jeden Yogi, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener, wobei die Anzahl der Wiederholung, die Intensität der Übungen und die Länge der Haltungen variabel sind und individuell an den eigenen körperlichen Zustand angepasst werden. „Es sollte sich auf jeden Fall immer gut anfühlen“, meint Jo.

Vor jeder Stunde fragt er daher immer in die Runde, ob jemand Herz-Kreislauf-Probleme hat oder sogar ganz frisch schwanger ist. „Denn es gibt Haltungen, die sich gerade für Schwangere nicht eignen, wie Twists oder Umkehrhaltungen, die man mit den Füssen an der Wand macht.“ Wer in der Schwangerschaft Yoga praktizieren möchte, macht das am besten in speziellen Yogakursen für werdende Mamis. Denn Yoga hilft nicht nur bei der Linderung von schwangerschaftstypischen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Sodbrennen oder Wassereinlagerungen in den Beinen, sondern auch zur Geburtsvorbereitung.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben