Sport : Reiner Calmund: Hauptrolle als Dick und Doof

Manager Reiner Calmund vom Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen hat auf dem Höhepunkt der Kokain-Affäre um Ex-Trainer Christoph Daum ernsthaft seinen Rücktritt in Erwägung gezogen. "Ich war der direkte Vorgesetzte von Daum. Ich habe Bayer Leverkusens Vorstands-Vorsitzendem Manfred Schneider und dem Finanz-Vorstand Werner Wenning angeboten, sozusagen die politische Verantwortung zu übernehmen", gestand Calmund in einem Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung: "Ich habe, ehrlich gesagt, fast sogar den Tag herbeigesehnt, an dem endlich eine Entscheidung in dieser Richtung fallen würde." Die Affäre um Daum hätte Dimensionen angenommen gehabt, die er kaum noch nachvollziehen konnte: "Zeitweilig hatte ich den Eindruck, dass mir ein paar Gramm Gehirn fehlen, um das alles zu verarbeiten."

Besonders enttäuscht haben Calmund Spekulationen über seine angebliche Kenntnis von Daums Problemen. Andere im Verein wie Leverkusens Sportdirektor und DFB-Teamchef Rudi Völler hätten in einem solchen Fall auch etwas bemerkt haben müssen. Calmund: "Doch während Rudi Völler zum Heilsbringer aufgebaut wurde, als er mit der Nationalmannschaft eine kleine Erfolgsserie startete, wurde ich als Drecksack hingestellt. Das kann ich nicht tolerieren."

Als Beweis für seine Angaben nennt das Schwergewicht die Ablehnung von Daums Freigabe für ein Millionen-Angebot von Fenerbahce Istanbul oder Borussia Dortmund: "Hätte ich das wider besseres Wissen getan, hätte ich doch unverzüglich in eine geschlossene Anstalt eingewiesen werden müssen.

Als Konsequenz aus der Daum-Affäre will Calmund "künftig jedes Wort doppelt und dreifach wägen". Die Differenzen mit seinem Kollegen Uli Hoeneß vom FC Bayern München wurden wenige Stunden vor dem Spiel der Leverkusener in München bei einem Friedensgipfel ausgeräumt. Nach Angaben von Hoeneß gebe es nach der Aussprache mit Calmund, die zwei Stunden gedauert habe, "keine Reibungspunkte mehr." Für die Zukunft sei vereinbart worden, Probleme nicht mehr über die Öffentlichkeit auszutragen. Über die konkreten Inhalte des Gesprächs wollte sich Hoeneß nicht äußern. Durch den zeitlichen Abstand zur Daum-Affäre hat Calmund inzwischen sogar seinen Humor wiedergefunden. "Vielleicht könnte daraus die Vorlage für einen Film werden", meinte der Bayer-Manager und hätte dabei auch schon für sich eine Aufgabe im Sinn: "Mit der Hauptrolle als Dick und Doof."

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