Reinhard Rauball : "Im Frühjahr wäre ein guter Zeitpunkt für den Wechsel"

Ligapräsident Reinhard Rauball spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über den Rücktritt von Theo Zwanziger, den zukünftigen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und über die zunehmende Gewalt unter den Fußballfans.

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Reinhard Rauball ist der Vorsitzende des Ligaverbandes (DFL) und Präsident von Borussia Dortmund. Foto: dapd
Reinhard Rauball ist der Vorsitzende des Ligaverbandes (DFL) und Präsident von Borussia Dortmund.Foto: dapd

Herr Rauball, warum wollten Sie nicht DFB-Präsident werden?
Der Profifußball ist mein Zuhause. Ich bin zum dritten Mal Präsident bei Borussia Dortmund und zum zweiten Mal zum Ligapräsidenten gewählt worden. Der Amateurfußball setzt andere Akzente, da ist ein DFB-Präsident auf ganz andere Weise gefordert. Deshalb habe ich zu keinem Zeitpunkt über die Frage nachgedacht.


Wie haben Sie die Rücktrittsankündigung von Theo Zwanziger erlebt?
Ich war überrascht – auch darüber, dass ich das nicht früher erfahren habe. Das habe ich Theo Zwanziger auch so gesagt.


Wann haben Sie es denn erfahren?
An jenem Freitag, als es alle erfahren haben. Er hat einen engen Kreis, dem ich angehörte, in Kenntnis gesetzt – kurz vor der Weihnachtsfeier, bei der er diesen Schritt verkündete. Man hat das zu akzeptieren. Theo Zwanziger war und ist ein guter Präsident des DFB. Er musste sich schwierigen Themen stellen, was nicht immer einfach war. Ich hatte gehofft, dass er seine Amtszeit zu Ende führt.


Das klingt so, als ob er gar nicht mehr im Amt ist.
Er ist bis zu seiner tatsächlichen Rücktrittserklärung im Amt, im Zweifel bis 2013. Zu welchem Termin er den Rücktritt erklärt, steht noch nicht fest.


Theo Zwanziger hatte angekündigt, bis Oktober im Amt zu bleiben, obwohl sich die Spitzen des DFB auf Wolfgang Niersbach als Nachfolger geeinigt haben. Nun schließt er einen Rückzug im Februar oder März nicht mehr aus. Was denkt die Liga?
Theo Zwanziger ist ein verantwortungsvoller Präsident. Und Wolfgang Niersbach ist ein verantwortungsvoller Generalsekretär. Ich glaube, dass der designierte und der jetzige Präsident untereinander ausloten sollten, welches der richtige Termin für die Übergabe ist. Sie sollten das in voller Verantwortung für den deutschen Fußball tun. Also möglichst vor der Europameisterschaft.


Ein Plädoyer für eine Lösung im Frühjahr?
Es gibt sachliche Gründe dafür, es früher als im Oktober zu machen – vor allem die EM im Sommer. Ich räume ein, dass ich dieser Meinung bin und dass das Frühjahr ein guter Termin wäre. Der Respekt vor dem gewählten Präsidenten versagt es mir eigentlich, dies auszudrücken. Aber es ist schon meine Meinung.


Haben Sie ihm das schon gesagt?
Nein, wir haben seit dem Tag seiner Erklärung nicht mehr miteinander geredet. Er war und ist sehr viel unterwegs für die UEFA und die FIFA.


Kann Herr Niersbach nicht schon pro forma Präsidentenaufgaben übernehmen?
Nein, Theo Zwanziger ist Präsident. Er bleibt es bis zu dem Zeitpunkt, an dem er seinen Rücktritt erklärt. Bis dahin wird er das Amt sicherlich ausfüllen.


Trauen Sie ihm ein abgestimmtes Verhalten mit Herrn Niersbach zu?
Ich halte beide für verantwortungsvolle Vertreter, die unter Hintanstellung persönlicher Interessen das Wohl des deutschen Fußballs im Auge behalten werden. Es sollte verhindert werden, dass jede Woche neue Termine und neue Argumente genannt werden. Deshalb sage ich: Die beiden sollen das jetzt untereinander abklären und dann mit den Landesverbänden abstimmen. Ich bin sicher, dass es dann eine vernünftige Lösung geben wird.


Das klingt so, als ob es auf alle Fälle nicht mehr bis Oktober dauern wird.
Wie gesagt: Das ist meine Meinung.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum man sich laut Reinhard Rauball in einem öffentlichen Amt verändert und welche Wünsche die Bundesliga an den DFB hat.

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