Sport : Reinhards Welt, nein Veronas Welt (Kommentar)

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Vorher hatte Reinhard Heß die Sache noch mit Humor genommen. "Die Feldbusch soll ruhig kommen, so lange sie uns nicht die Show stiehlt. Die junge Frau kann meine Mannschaft aufmuntern", sagte der Cheftrainer der deutschen Skispringer vor der Vierschanzentournee mit Blick auf das zukünftige Engagement des Privatsenders RTL. Am Ende der Tournee gestand der Thüringer: "Ich bin deprimiert." Zu groß der Trubel, zu groß die Ablenkung für die Topspringer durch Interviews und PR-Termine, zu groß die Erwartungen der Medien, die so zahlreich wie noch nie an den Schanzen zwischen Oberstdorf und Bischofshofen vertreten waren. Zu sehr gehts in seinen Augen heute um Geld und Werbeverträge.

Dem Privatsender RTL die Schuld an diesen Entwicklungen zu geben, wäre jedoch völlig falsch. Egal, wer auch immer übertragen mag, die Vierschanzentournee ist gerade durch den Siegertyp Martin Schmitt in Deutschland inzwischen in die erste Liga der Sportereignisse aufgestiegen. Entsprechend steigern sich Aufgeregtheit, Anfragen und Wünsche. Alles wird schneller und lauter. Rücksicht auf die Sportler wird da so gut wie gar nicht mehr genommen. Die Springer sind in einer Welt gelandet, in der für sie noch vieles neu ist. Zu unvorbereitet stolperten sie, ebenso wie die Funktionäre des Deutschen Skiverbandes, in die neue Situation. Sich nun völlig abzukapseln, wie von Heß überlegt, ist indes unsinnig. Es reicht manchmal auch, Nein zu sagen. Auch das kann man lernen.

Die Vierschanzentournee - Skispringen allgemein - wird zwar auch künftig nicht zu Veronas Welt werden. Aber Reinhards Welt ist es inzwischen auch nicht mehr.

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