Sport : Reisen für Olympia

Chinas Basketballer sollen in Peking 2008 eine Medaille gewinnen – heute spielen sie in Hamburg

Benedikt Voigt

Berlin - Im Li-Ning-Sportfachgeschäft in Guangzhou läuft unaufhörlich ein Video. Es ist ein Spiel aus der diesjährigen Finalserie der chinesischen Profiliga CBA zwischen den Bayi Armi Rockets und den Guangdong Southern Tigers. Auf einen Spieler zeigen die chinesischen Sportschuhverkäufer immer wieder, es ist ihr lokaler Held, der gerade vom NBA-Team Milwaukee Bucks verpflichtet worden ist. „Yi Jianlian“, rufen die Schuhverkäufer und grinsen begeistert, als der Power Forward aus Guangdong einen Halbdistanzwurf verwandelt, „Yi Jianlian“.

An diesem Wochenende können sich auch in Deutschland die Basketballfans ein Bild vom Können des 2,13 Meter großen Power Forwards machen. Yi Jianlian spielt heute (20.15 Uhr, live im DSF) in Hamburg und am Sonntag in Mannheim in Testspielen gegen die deutsche Nationalmannschaft. Der Chinese wird dabei im Duell mit dem deutschen NBA-Star Dirk Nowitzki einen ersten Vorgeschmack auf seine neue Liga bekommen. Auch der 2,06 Meter große Aufbauspieler Sun Yue, der in der kommenden Saison für die Los Angeles Lakers spielt, könnte dem Team von Bundestrainer Dirk Bauermann das erste Testspiel mit Dirk Nowitzki schwer machen. Zuletzt überzeugte vor allem der ehemalige NBA-Spieler Wang Zhizhi. Der Centerspieler nutzte das verletzungsbedingte Fehlen von Yao Ming, dem NBA-Star von den Houston Rockets, um sich als Führungsspieler zu etablieren.

Mit Yi Jianlian aber gibt es Ärger. Kurz nachdem er gedraftet worden war, zeigten sich seine Ratgeber unzufrieden. Es gebe zu wenig Chinesen in Milwaukee, kritisierte sein Agent. Yi Jianlian spricht seit Wochen nicht mehr über sein neues Team. Und die Guangdong Tigers drohen sogar, ihn nicht freizugeben. Er bekomme in Milwaukee zu wenig Spielzeit, die aber brauche er, um sich für die Olympischen Spiele 2008 vorzubereiten.

Denn Chinas Basketballer haben für Peking 2008 ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen eine Medaille erringen. Das aber scheint fast unmöglich, zuletzt schaffte es China bei der WM in Japan noch nicht einmal unter die besten acht Teams. Doch das Reich der Mitte, in dem Basketball neben Fußball populärste Mannschaftssportart ist, hat ein riesiges Aufbauprogramm aufgelegt: Im Pekinger Süden entstand ein luxuriöses Trainingszentrum, das sogar von NBA-Trainern gelobt wird. Chinas litauischer Trainer Jonas Kazlauskas bereist zu Übungszwecken mit seinem Team die Welt. Zuletzt nahm China sogar an der Summer League der NBA teil, erhielt dort allerdings einige Basketball-Lehrstunden. Der Weg zur Medaille scheint weit. Immerhin hat China dem deutschen Team eines voraus: Es ist bereits für die Olympischen Spiele qualifiziert. Als Gastgeber.

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