Sport : Reiten: Beerbaum wird Zweiter und ist trotzdem der Sieger

Ingo Wolff

Springreiter kleiden sich konservativ. Die Ordnung im Reitsport macht es dem Einzelnen schwer, aus der grau-blau-schwarzen Masse herauszuragen. Ludger Beerbaum macht da keine Ausnahme. Dennoch hat der Olympiasieger von 1992 derzeit kaum Chancen, sich in einer Reitergruppe zu verstecken. Zu sehr sticht die gelbe Binde an seinem Arm heraus, wenn er so wie gestern beim internationalen Reitturnier CSI Berlin mit seinen Kollegen über den Parcours schreitet. Nun ist Beerbaum mitnichten plötzlich ein Blinder, wie man anhand der Binde vermuten könnte. Der Weltranglistenerste gehört in seiner Gilde zu den Aufmerksamsten. Er ist lediglich der beste Springreiter der neu geschaffenen Riders Tour, deren Führender nunmal durch gelbes Textil gekennzeichnet ist.

An dieser Farbzuordnung hat sich auch nach der sechsten Station der Reiterserie, die erstmals die deutschen Turniere bündelt, nichts geändert. Ludger Beerbaum führt nach seinem zweiten Platz beim Großen Preis von Berlin unangefochten vor seinem Bruder Markus und seiner Schwägerin Meredith Michaels-Beerbaum. Das Ehepaar hat aber nach dem Sieg von Markus Beerbaum die Plätze in der Gesamtwertung getauscht. Praktisch wird sich an Position eins auch nichts mehr ändern. Schließlich führt Ludger Beerbaum vor den letzten drei Turnieren in Donaueschingen, Wiesbaden und Aach fast uneinholbar und wird wohl in vier Wochen zum "Rider of the Year" gekürt.

Das olympischen Reiterstadion wird der Riesenbecker allerdings in schlechter Erinnerung behalten. Er ärgert sich, wie der Sender Freies Berlin mit den Veranstaltern umgegangen ist. Ihn stört der Übertragungsplan des Senders. Die Qualifikation für den Großen Preis wurde am Sonnabend übertragen, nicht jedoch das Springen am Sonntag, das in die Wertung der Riders Tour eingeht. "Ich bin total enttäuscht", sagt Ludger Beerbaum, "das ist eine Sauerei." Der SFB begründet den fehlenden Sendeplatz mit mangelnden Kapazitäten wegen der IFA, nachdem das Turnier wegen der Maul- und Klauenseuche statt im April Ende August stattfinden musste. "Man hat uns auflaufen lassen", sagt Veranstalter Volker Wulff. Ein Angebot, dass das CSI die Produktionskosten für den Sonntag übernimmt, konnte der SFB aus rechtlichen Gründen nicht annehmen. Nur der Sonnabend war überhaupt drin, "weil wir am Reitsport interessiert sind", sagt SFB-Sportchef Jochen Sprentzel. "Wir geben den Reitern so eine Chance." Beerbaum geht trotzdem so weit, den noch bis 2004 laufenden Vertrag mit dem Sender überprüfen zu lassen. "Der SFB muss gezwungen werden, die Veranstaltung zu übertragen. Wir haben lange genug an der Riders Tour gearbeitet."

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