Rekord in der DEL : Ice Tigers sind die neuen Eisbären

Während die Eisbären in der DEL ihren Ansprüchen hinterherlaufen, stellt der Ex-Klub von Berlins Trainer Jeff Tomlinson, die Ice Tigers Nürnberg, einen neuen Startrekord auf.

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Erfolgreiche Ansprachen. Nürnbergs Trainer Tray Tuomie.
Erfolgreiche Ansprachen. Nürnbergs Trainer Tray Tuomie.Foto: dpa

Jeff Tomlinson trägt neuerdings Bart. Das ist im Eishockey an sich nichts Ungewöhnliches, nur der Zeitpunkt überrascht. Denn normalerweise ist dieser Wildwuchs der Gesichtsbehaarung ein typischer Play-off-Brauch. Doch bis zur entscheidenden Saisonphase dauert es in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) noch ein paar Monate. Der Eisbären-Trainer kann sich beim Blick auf die momentane Tabelle in der DEL nun aber wenigstens am Bart zupfen – wenn auch nur aus reiner Verlegenheit. Denn der Deutsche Meister findet sich nach neun Spieltagen mit acht Punkten auf dem vorletzten Platz wieder. Und ganz oben steht mit den Nürnberg Ice Tigers ausgerechnet der Verein, bei dem Tomlinson im Dezember 2012 wegen Erfolglosigkeit entlassen wurde.

Die Franken haben am Sonntag einen neuen Startrekord in der DEL aufgestellt, neun Siege zu Beginn einer Saison sind zuvor noch keinem anderen Team gelungen. Der Vorsprung der Nürnberger auf den Tabellenzweiten beträgt schon neun Punkte, die Eisbären liegen gar 18 Zähler zurück. Abheben tut deshalb aber niemand bei den Ice Tigers. „Für uns ist das kein großes Ding, der Rekord ist eher etwas für die Stadt und die Fans“, sagt Trainer Tray Tuomie. Der US-Amerikaner hat das Team im Sommer übernommen, es ist seine erste Station als Cheftrainer in der DEL. Zuvor war er allerdings schon einige Saisons als Assistent in Düsseldorf und Nürnberg tätig – jeweils unter dem Chef Tomlinson. „Ich habe viel von ihm gelernt“, sagt Tuomie und lobt ausdrücklich Tomlinsons Menschenführung.

Und gerade der Teamgeist ist bisher eine der Stärken bei den Ice Tigers. Das war in der Vorsaison noch anders. Eisbären-Stürmer Daniel Weiß, der in der vergangenen Spielzeit nach Nürnberg ausgeliehen war, wundert sich noch heute: „Eigentlich hatten wir eine sehr gute Mannschaft, aber irgendwie hat es auf dem Eis nicht richtig funktioniert.“ Der Klub belegte nach der Hauptrunde Platz sieben, schied dann in den Pre-Play-offs aus. Doch in dieser Saison läuft es plötzlich.

„Wir hatten im ersten Spiel in Köln Glück und seitdem gewinnen wir“, sagt Tuomie. Der Trainer überrascht die Gegner allerdings mit einer in der DEL einmaligen Taktik. Statt wie alle anderen Teams mit drei festen Angreifern in einem Block zu spielen, setzt Tuomie auf Pärchenbildung. Ein Center und ein Außenspieler bilden ein Duo, auf der Position des dritten Stürmers in der Reihe wird permanent rotiert. Dazu bekommen junge deutsche Spieler genügend Eiszeit, um sich weiterzuentwickeln. So können auch Verletzungen kompensiert werden. Und auch wenn Tuomie der Rekord angeblich nicht wichtig ist, so möchte er mit seinem Team doch möglichst weiter Siege einfahren. „Wir wissen, dass Rekorde da sind, um gebrochen zu werden. Aber das wollen wir den anderen Mannschaften nun so schwer wie möglich machen und weiter gewinnen.“

Jeff Tomlinson wäre in Berlin schon froh, wenn seine Spieler wieder regelmäßig das Tor treffen würden. Denn nach zuletzt nur sechs Treffern in sieben Spielen liegt dort der Hauptgrund für die momentane Misere bei den Eisbären. Auf Tipps von seinem ehemaligen Co-Trainer muss er in dieser unbefriedigenden Phase aber verzichten. Man telefoniere zwar regelmäßig miteinander, aber „Jeff braucht meinen Rat nicht“, sagt Tuomie. Dabei hat der Berliner Trainer schon eine Sache vom seinem Nürnberger Kollegen übernommen. Den Bart. Tuomie trägt den allerdings nur, „weil ich so wenig Haare auf dem Kopf habe“, wie er lachend erklärt. Tomlinson muss sich also etwas anderes überlegen. Und dass ihm das früher oder später gelingen wird, davon ist sein einstiger Assistent in Nürberg überzeugt: „Wir sind früh in der Saison“, sagt Tuomie. „Die Eisbären kommen schon noch.“ Ob nun mit oder ohne Bart.

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