Sport : Rekord ohne Grenze

Das 562. Bundesligaspiel des Handballers Holpert

Hartmut Moheit

Berlin - Wer in den Fanklub „Hölle Nord“ als Ehrenmitglied aufgenommen wird, der muss schon etwas Besonderes für den Handball in Flensburg geleistet haben. Auf Jan Holpert trifft das zu, er stellt heute einen Rekord für die Ewigkeit auf. Zum 562. Mal bestreitet der 37 Jahre alte Torhüter der SG Flensburg-Handewitt ein Bundesligaspiel. Kein anderer Handballer kann in den kommenden Jahren diese Zahl erreichen, mit der Holpert nach dem Spiel beim VfL Pfullingen in den Statistiken steht. Der Magdeburger Steffen Stiebler, ein Feldspieler, steht derzeit mit 412 Einsätzen an 18. Stelle, die anderen vor ihm sind nicht mehr aktiv. Vor allem Torhüter halten am längsten durch. „Nicht dass wir faule Säcke sind, aber wir haben eben nicht den ständigen Körperkontakt. Unsere physische Belastung ist geringer, wir leben von der Erfahrung, die erst später kommt“, sagt Holpert und ergänzt: „Es ist schön, dass ich mein Hobby seit zwanzig Jahren zum Beruf machen kann, die Zahl allein bedeutet mir nicht viel.“ Sein Vorgänger als Rekordhalter war Stefan Hecker, der ehemalige Kieler Torwart und heutige Geschäftsführer des VfL Gummersbach.

Dass Jan Holpert der Erste sein wird, der in der kommenden Saison die 600 Einsätze erreicht, davon geht er selbst aus: „Mein Vertrag läuft noch bis 2007, und ich fühle mich noch sehr gut in Form. Andererseits möchte ich auch nicht, dass man mich eines Tages aus der Halle trägt.“ Momentan ist es aber eher der Fall, dass ihn seine Mitspieler auf Händen tragen, weil er für den Champions-League-Teilnehmer wieder einmal ein starker Rückhalt war. Holpert lebt im Hier und Jetzt, alte Zeiten seien zur Erinnerung da. Er findet es auch normal, dass zu seinen 245 Länderspielen nun keines mehr dazukommen wird. „Vor der WM 2003 in Portugal hatte ich mit Bundestrainer Heiner Brand ein gutes Gespräch, aber dabei war ich letztlich nicht mehr. Anfangs war das schon hart, aber heute sehe ich das wirklich mit Distanz“, versichert er.

Gar nicht distanziert äußert sich Holpert zu Brands Wunsch, die Bundesligaklubs mögen doch weniger Ausländer verpflichten. Wie die Entwicklung gelaufen ist, hat Holpert ja direkt miterlebt: Als er 1993 nach Flensburg kam, gab es nur einen Ausländer im Team, heute ist Holpert der einzige Deutsche. „Ich kann Brand durchaus verstehen, dass er im Sinne der Nachwuchsentwicklung das nicht gutheißt, aber in Flensburg haben wir nun mal mit der unmittelbaren Nähe zu Skandinavien eine besondere Situation. Zudem bewegen wir uns auf einem derart hohen Level, dass uns nur deutsche Stars weiterhelfen könnten. Und die sind zu teuer“, sagt Holpert. Er sagt aber auch, dass er deswegen nicht in tiefe Trauer falle und ihn das eigentlich nicht stören würde. Derzeit interessiere ihn nicht einmal die Zahl 562, sondern nur ein Sieg gegen Pfullingen. „Wir wollen 2006 Meister werden, nur das zählt“, sagt er.

0 Kommentare

Neuester Kommentar