Sport : Rekordmann aus dem Mittelfeld Wilfried Köhnke läuft den 37. Berlin-Marathon

Jutta Casdorff
Weiter, immer weiter. Winfried Köhnke auf seinem Weg durch Berlin. Foto: privat
Weiter, immer weiter. Winfried Köhnke auf seinem Weg durch Berlin. Foto: privat

Berlin - An der Spitze werden die Topläufer auch in diesem Jahr um den Weltrekord kämpfen. Weiter hinten im Teilnehmerfeld strebt Wilfried Köhnke ebenfalls einen beachtlichen Rekord an: Er startet beim 39. Berlin-Marathon zum 37. Mal. Bei erfolgreichem Abschluss des Laufs wäre Köhnke der Läufer mit den meisten Teilnahmen in Berlin. Bisher lag Bernd Hübner (Post SV Berlin) mit ihm gleichauf, in diesem Jahr wird Hübner aber krankheitsbedingt fehlen.

Eine Prämie wird Köhnke nicht bekommen, aber das ist dem 64-Jährigen auch nicht wichtig. „Es freut mich einfach, dass ich so oft dabei sein konnte, vor allem weil der Berlin-Marathon so eine Art Heimspiel für mich ist“, sagt der gebürtige Pritzwalker, der seit 1969 in Berlin lebt. Erst mit 19 Jahren hat er mit dem Laufen begonnen. „Davor kannte ich nur den Schulsport“, sagt Köhnke. Und seitdem kennt er nur noch das Laufen. Sechsmal pro Woche trainiert er und kommt bei Sechzig Kilometern pro Woche insgesamt auf zwei bis drei Marathonrennen im Jahr. Früher lief er unter vier Minuten pro Kilometer, „jetzt sind es wohl nur noch so um die 4:30.“ 1985 lief Köhnke seine persönliche Bestzeit von 2:44:48 in Berlin, in diesem Jahr hofft er auf eine Zeit um 3:45 Stunden.

Seinen ersten Marathon lief Köhnke 1975. Ein Jahr zuvor hatte er beim 1. Berliner Volksmarathon - so hieß der Berlin-Marathon früher - nur zugesehen und sich geschworen, niemals so etwas Verrücktes zu machen. Doch bereits im Folgejahr ließ er sich von einem Bekannten überreden, seitdem fehlte er nur 1982 wegen eines Leistenbruchs.

In nunmehr 37 Jahren hat Köhnke es neben etlichen Rennen über andere Distanzen auf neunzig Marathonläufe gebracht. Zwischen 1991 und 1997 erfüllte er sich zudem seinen Traum, auf allen Kontinenten zu laufen: in Australien, beim New York City-Marathon sowie in Hongkong und Johannesburg. „Dieses Gefühl, es tatsächlich geschafft zu haben, auf allen Kontinenten Marathon zu laufen, das war schon toll“, sagt Köhnke.

Sich selbst bezeichnet Köhnke als Breitensportler, der unter anderem laufe, um einen Ausgleich zum Büro zu haben. Ende des Jahres geht der Rekordläufer in den Ruhestand, beim Laufen hat er aber noch viel vor: „Neunzig Marathons habe ich schon, hundert sollen es schon noch werden.“ So wird sein Teilnahmerekord am Berlin-Marathon in diesem Jahr wohl nicht der letzte sein, den er sich still und fast heimlich erkämpft. Jutta Casdorff

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