Rekordspieler Sven Felski : Und ewig grüßt der Eisbär

Ein Klub, ein Rekord: Sven Felski bestreitet sein 900. Spiel in der Deutschen Eishockey-Liga für den Meister aus Berlin.

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Bodenständig, einmalig, erfolgreich. SymbolfigurSven Felski hat die Entwicklung der Eisbären vom chancenlosen Klub hin zum Serienmeister mitgeprägt.
Bodenständig, einmalig, erfolgreich. SymbolfigurSven Felski hat die Entwicklung der Eisbären vom chancenlosen Klub hin zum...Foto: dpa

900 ist ja nur eine Zahl, und an sich hat Sven Felski nicht viel Zeit am Donnerstag im Sportforum Hohenschönhausen, um über sein Jubiläum zu sprechen. Das Training bei den Eisbären ist vorbei, ihr dienstältester Profi muss zum – Tischtennis. „Wir haben unsere Ligen hier“, sagt er. „Ich spiele in der ersten, mit Frank Hördler, André Rankel und Jens Baxmann.“ Selbstredend ist Felski Tabellenführer. „Rechts gucken, links spielen, sage ich immer. Ist wie beim Eishockey.“

In der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielt Felski eine ähnlich prominente Rolle wie in der klubinternen Tischtennisliga. Am Freitag, beim Spiel der Berliner bei den Ice Tigers Nürnberg (19.30 Uhr), läuft er zum 900. Mal in der DEL auf. Zwar hat Mirko Lüdemann das auch schon geschafft. Der aus Weißwasser stammende Verteidiger spielte aber nicht so lange für Köln wie Felski für Berlin. Denn vor Einführung der DEL war Felski schon 66 Mal in der Bundesliga für die Eisbären aufgelaufen. Der Umstieg im Sportforum mit elf Jahren vom Eiskunstlauf zum Eishockey war der bisher letzte Wechsel in seiner Sportlerkarriere.

Sven Felski ist andernorts kaum vorstellbar. Denn die Ungeduld ist groß im deutschen Eishockey. Läuft es nicht, müssen Trainer, Manager und Spieler gehen. Bei den Eisbären ist das seit einem Jahrzehnt nicht mehr so. Auch wenn der Klub seitdem dem nordamerikanischen Großunternehmer Anschutz gehört, hat er familiären Charme. Kotrainer Hartmut Nickel oder inzwischen auch Manager Peter John Lee und erst recht Felski – sie sind bei den Eisbären so wenig wegzudenken wie der Trainingsmief in der alten Eishalle im Sportforum. Felski sagt: „Wichtig ist, dass man sich wohlfühlt. Sonst erreichst du keine 900 Spiele.“

Inzwischen spielt Felski seine 20. Saison für das Team. 
Inzwischen spielt Felski seine 20. Saison für das Team. Foto: dpa

37 Jahre alt ist Felski inzwischen. Der flinke Schlittschuhläufer ist langsamer geworden. Er war nie der beste Angreifer der Eisbären, aber immer einer der Besten. Daher ist sein Jubiläumsspiel kein Zirkus – auch wenn ihn die DEL in Nürnberg ein Drittel lang mit der Rückennummer 900 spielen lässt.

Sven Felski hat damals „natürlich“ nicht damit gerechnet, dass es so lange mit ihm etwas werden würde in seinem Klub. Schuld daran, dass er Eishockeyprofi wurde, waren ohnehin die Berliner Preussen. Kurz nach Mauerfall fuhr er in die Halle an der Jafféstraße und schaute sich ein Bundesligaspiel an. „Da habe ich mir gesagt: Dahin willst du auch.“ Er schaffte es mit 17 Jahren in die Bundesliga. Und in den Jahren danach gab es durchaus mal den Gedanken, es anderorts zu versuchen. Sogar die Preussen wollten ihn. Doch Felski blieb bodenständig. Weil er wusste, dass er nirgendwo so gut funktionieren würde wie bei den Eisbären. Dort kennt er alle, dort mögen ihn alle. Felski ohne Eisbärenfamilie – vielleicht wurde es deshalb für ihn in der Nationalmannschaft nie so richtig gut. Der ehemalige Bundestrainer Hans Zach monierte, dass „aus dem Berliner Kindl mal ein Berliner Bursch“ werden müsse. Der reife Bursche ist heute froh darüber, dass er in der Heimat geblieben ist. „In den letzten zehn Jahren wollte ich sowieso nicht mehr weg, denn nun wollten ja alle zu den Eisbären.“

Felski hat sie mitgemacht, die Metamorphose vom erfolglosen Ostklub zur Spitzenmannschaft. „Früher waren wir ein lokaler Verein“, sagt er. „Da gab es schon mal ein 4:13 gegen Krefeld zu Hause. Heute haben wir in Berlin einen ganz anderen Stellenwert und eine geile Halle.“ Das letzte Finalspiel im Jahr 2005 – noch im Wellblechpalast und nicht in der neuen „geilen“ Halle am Ostbahnhof – ist für ihn das wertvollste unter den 900. Da wurde er zum ersten Mal Meister. Es sei ja nicht mehr zu ertragen gewesen, was er sich alles habe anhören müssen. „Von wegen ihr werdet nie Meister und so.“

Vier Meistertitel später hat Felski bei den Eisbären einen Sonderstatus, trägt er den Spitznamen „Bürgermeister“. Ob er nach der Saison weitermacht, das entscheidet vor allem – Sven Felski. So etwas muss wissen, wer bei den Eisbären ist: Trainer Pierre Pagé etwa, Vorgänger von Don Jackson, wollte Felski nicht mehr, musste sich aber von Manager Peter John Lee belehren lassen, „dass man den Felle hier nicht einfach rauswerfen kann“.

Sven Felski hat das mit dem Tischtennis verschoben. Schließlich ist er doch gerührt vom Thema Jubiläum. Das sei ja „schon eine Leistung“. In Nürnberg werden die Fans ihre Zuneigung zu ihrer Nummer 900 demonstrieren. 700 Anhänger reisen im Sonderzug an. „Die kommen bestimmt nicht alle wegen mir“, sagt Sven Felski. „Aber schön ist es trotzdem.“

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