Relegation : Cottbus resigniert - Prasnikar geht

Kurz vor dem Relegationsrückspiel gegen den 1. FC Nürnberg löst Energie Cottbus den Vertrag mit Trainer Bojan Prasnikar auf.

Katrin Schulze
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Aussteiger: Bojan Prasnikar. Foto: ddp

Bojan Prasnikar kann seine Emotionen nur selten verbergen. Oft rennt er, schreiend und wild gestikulierend am Spielfeldrand herum. Als möchte er bei jeder Aktion selbst noch einmal eingreifen. So wird der 56 Jahre alte Trainer in Diensten des FC Energie Cottbus am Sonntag ein letztes Mal zu sehen sein. Einen Tag vor dem Relegation-Rückspiel beim 1. FC Nürnberg (15.30 Uhr, live in der ARD) gab der Klub den Abschied des Slowenen bekannt. „Im Sinne eines Neustarts hat Prasnikar darum gebeten, das Vertragsverhältnis zu beenden“, sagte Energie-Präsident Ulrich Lepsch. „Wir haben diesem Wunsch entsprochen.“ Dass Cottbus diesen Schritt bereits vor dem letzten Saisonspiel öffentlich machte, offenbart die prekäre Situation der Lausitzer: Nach der 0:3-Niederlage im Hinspiel müssten sie schon weit über sich hinauswachsen, um dem zweiten Abstieg aus der Bundesliga noch zu entgehen.

Es wirkt so, als hätten sie in Cottbus resigniert. Schon direkt nach der Pleite am Donnerstag verkündete Präsident Lepsch, dass sich Energie nun auf die Planung für die Zweite Liga konzentrieren würde. Auch die Frage nach dem Trainer hatte Lepsch offen gelassen. Die Aufgabe vor der Aufgabe? Prasnikar jedenfalls klammerte sich vor der entscheidenden Begegnung in Nürnberg an Fußball-Plattitüden. „Ein frühes Tor und dann darauf hoffen, dass die Nürnberger vielleicht nervös werden“, lautet die mit tiefen Sorgenfalten verkündete Botschaft des Trainers. Doch wie wollen die Lausitzer das anstellen? Mit Emil Jula verletzte sich im Hinspiel ihr letzter gesunder Stürmer: Muskelfaserriss. Darüber hinaus wird Energie wohl weiterhin Dimitar Rangelow fehlen, der am Freitag nicht mit der Mannschaft trainieren konnte. Daniel Ziebig, Mariusz Kukielka, Stanislav Angelow, Timo Rost und Marco Kurth komplettieren den Kummer in der Lausitz – welcher der angeschlagenen Profis auflaufen kann, ist noch unklar.

Irgendwie passen die Verletzungssorgen ins Bild, das Energie zuletzt abgegeben hat. Glück-, vor allem aber kraftlos liefen sie den eigenen Zielen in der Relegation hinterher. Die Verabschiedung von Prasnikar illustriert nun die Cottbuser Tristesse. Überraschend kommt sie allerdings nicht. Immer wieder geriet der Coach im Laufe der Saison mit seinen Profis aneinander, die sich über das straffe Arbeitspensum des Slowenen beschwerten. Prasnikar konterte, indem er die Arbeitsmoral seiner Angestellten infrage stellte. Den unbändigen Willen sucht man auch vor dem heutigen Rückspiel vergebens. „Man braucht sehr viel Optimismus, um daran zu glauben, dass wir in Nürnberg noch etwas erreichen“, sagte Energies Kapitän Timo Rost. „Es wäre ein Wunder.“

Die Geschichte der Relegation kam bislang weitgehend ohne Wunder aus. Im Jahr 1986 drehte Borussia Dortmund gegen Fortuna Köln mal einen 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel und erzwang so eine Entscheidungspartie, die Dortmund 8:0 gewann. Dass es auch in diesem Jahr zu einem ähnlichen Szenario kommt, ist aber eher unwahrscheinlich – nicht nur, weil es keine dritte Begegnung mehr gibt. Bei Torgleichheit beider Mannschaften würde es am Sonntag zunächst zu einer Verlängerung, danach zum Elfmeterschießen kommen. Mit so einem Spektakel scheinen die Cottbuser selbst allerdings am wenigsten zu rechnen.

Es kann ein leiser Abschied für Bojan Prasnikar werden.

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