Relegation : Herthas Ende naht

Hertha BSC führt gegen Fortuna Düsseldorf das Bühnenstück zu einer tragischen Saison auf – der Schlussakt lässt sich nun nicht mehr aufschieben.

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Was haben Michael Preetz (r.) und Roman Hubnik gemeinsam? Man glaubt es kaum, aber beide haben in ihrer Spielerkarriere zwei Eigentore in Diensten von Hertha BSC fabriziert. Während der heutige Manager dafür aber dreieinhalb Jahre brauchte, schaffte der tschechische Verteidiger das in etwas mehr als vier Monaten. Hubnik steht damit sinnbildlich für eine grauenhafte Saison der Berliner, die womöglich im Abstieg in die Zweite Liga gipfelt.Alle Bilder anzeigen
Foto: dapd
11.05.2012 20:20Was haben Michael Preetz (r.) und Roman Hubnik gemeinsam? Man glaubt es kaum, aber beide haben in ihrer Spielerkarriere zwei...

Nach der Vorstellung wollte sich der Nebel nicht legen. Im Gästeblock roch es nach Feuerwerk wie an Silvester, immer wieder erschütterte ein Knall das Olympiastadion. Die Düsseldorfer Fans feierten donnernd, die meisten Berliner Zuschauer dagegen waren stumm geflüchtet. Diejenigen, die blieben, beschimpften die Mannschaft, als sie Richtung Ostkurve kam und warfen mit Bierbechern. Hertha-Profi Änis Ben-Hatira beruhigte das Publikum. Dennoch gab es insgesamt 39 Festnahmen rund um das Spiel.

Hinter der Bühne, im Innern des Stadions, saß derweil Otto Rehhagel vor einem Mikrofon und antwortete auf die Frage, was ein Hertha-Abstieg für ihn persönlich bedeuten würde: „Nächste Woche Dienstag nach dem Spiel ist es für mich zu Ende, und dann fahr’ ich in den Urlaub.“

Dass dieses 1:2 im Relegationshinspiel auch den 73-Jährigen nicht gleichgültig zurückließ zeigte sich an der Art, wie er sein Wasser trank: Mit beiden Händen hob er vorsichtig das Glas, als ob er fürchtete, den Inhalt zitternd zu verschütten.

Dem aufgeführten Drama aus Aggression, Resignation und Verzweiflung konnte sich niemand entziehen, der dieses erste Endspiel um die Bundesliga-Zugehörigkeit verfolgt hatte. Fast wirkte es, als habe Hertha vor großem Publikum eine Nummernrevue der gesamten Saison aufgeführt: Ein mitreißender Beginn, um dann alles mit einem Medley aus Slapstick-Einlagen zu einem tragisch Ende zu bringen.

So lief das Relegations-Hinspiel gegen Fortuna Düsseldorf:

Hertha in der Relegation gegen Düsseldorf
Unfassbare Szenen. Herthas Spieler bestürmen Schiedsrichter Wolfgang Stark, doch der setzt das Spiel nach minutenlanger Unterbrechung fort.Weitere Bilder anzeigen
1 von 31Foto: Streubel
15.05.2012 23:50Unfassbare Szenen. Herthas Spieler bestürmen Schiedsrichter Wolfgang Stark, doch der setzt das Spiel nach minutenlanger...

Als einziger Spieler fand Kapitän Lewan Kobiaschwili Worte. Die lauteten: „Es ist schwierig, Worte zu finden.“ Als er fündig wurde, waren es folgende: blöd, bitter, wie schon so oft. Blöd, wie sich drei Spieler vor dem Ausgleich der Düsseldorfer hatten ausspielen lassen. Und bitter, wie die Mannschaft wieder einen Ball ins eigene Tor lenkte – wie schon so oft. „Seit ich hier bin, schießen wir in jedem dritten Spiel ein Selbsttor“, klagte Rehhagel. Die Statistik war sogar geschönt. Das 1:2 war das vierte Eigentor der Saison und das dritte in den vergangenen acht Spielen. Dabei hatte die Mannschaft über 45 Minuten ansprechenden Fußball gezeigt.

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