Sport : Renault fährt ohne Heidfeld

Bruno Senna ersetzt den Deutschen in der Formel 1

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Umsteigen! Nick Heidfeld wird die Formel 1 wohl verlassen und vermutlich künftig in der DTM für BMW fahren. Foto: dapd
Umsteigen! Nick Heidfeld wird die Formel 1 wohl verlassen und vermutlich künftig in der DTM für BMW fahren. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Noch fehlt die offizielle Bestätigung von Lotus Renault – aber hinter den Kulissen der Formel 1 ist bereits alles klar: Nick Heidfeld wird ab dem nächsten Rennen in Spa nicht mehr im Renault sitzen. Seinen Platz nimmt der bisherige Testpilot Bruno Senna ein.

Angebahnt hatte sich diese Entwicklung schon seit einigen Wochen. Sowohl Lotus-Teamchef Eric Boullier als auch Teambesitzer Gerard Lopez hatten sich öffentlich immer wieder mit Heidfelds Leistungen unzufrieden gezeigt. Im Neffen des dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna hat man einen Nachwuchsmann in der Hinterhand, der in Sachen Marketing einiges verspricht und der sein fahrerisches Potenzial in der Formel 1 noch nicht zeigen konnte.

Heidfeld kann sich nun darauf berufen, dass es wohl in erster Linie finanzielle Aspekte waren, die ihn das Cockpit kosteten, dass potenzielle brasilianische Sponsorgelder und Geschäftsverbindungen eine Rolle spielen. Aber der sportliche Aspekt ist trotzdem nicht zu vernachlässigen. Renault hatte sich von dem Mönchengladbacher mehr erhofft, als man ihn im Februar nach dem schweren Rallye-Unfall von Robert Kubica als Ersatz ins Team holte.

Im Laufe der Saison konnte der 34-Jährige die Renault-Bosse und auch viele Experten nicht wirklich überzeugen, auch wenn er sich selbst für seine Leistungen keine so schlechten Noten gab. Das Trainingsduell gegen den Teamkollegen Witali Petrow in elf Rennen mit 3:8 zu verlieren – das spricht gegen ihn. Und die Tatsache von „wesentlich besseren Rennleistungen als Petrow“, die Heidfeld gern betont, schlägt sich in nur zwei Punkten Vorsprung gegenüber dem Russen nieder. Intern war auch immer mal wieder zu hören, er hätte nicht die Führungsrolle übernehmen können, die man sich von ihm erhofft habe.

Dass sich im Team, speziell in der Teamführung, Stimmung gegen ihn aufbaute, hätte der Deutsche eigentlich mitbekommen müssen. In Ungarn bekam Bruno Senna Ende Juli seinen ersten Freitagseinsatz des Jahres anstelle von Heidfeld und wurde in den 90 Minuten des ersten freien Trainings vom Team vor allem auch auf seine Belastbarkeit getestet – und hinterließ einen guten Eindruck.

Als im August die Investmentfirma Genii, die Teambesitzer Lopez und seinem Partner Eric Lux gehört, mit der brasilianischen WWI Group einen Deal über die zukünftige gemeinsame Verwaltung eines Zehn-Milliarden-Portfolios abschloss, war die Sache wohl endgültig klar. Auf einem ähnlichen Prinzip ist ja auch der Deal zwischen Renault, Genii und Petrow aufgebaut – auch dort geht es nicht in erster Linie um direkte Sponsorgelder, sondern um die Öffnung von Geschäftsfeldern für Lopez und Genii in Russland. Nicht umsonst hat Petrows Managerin Oksana Kosatschenko Beziehungen bis in höchste Putin-Kreise. Heidfelds rennfahrerische Zukunft dürfte vermutlich bei BMW in der DTM liegen.

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