Sport : René Eijkelkamp - Schalkes stürmender Komödiant

MARKUS HESSELMANN

Der Holländer kam einst als Teilzeitkraft, doch heute ist ihm der Status der Kultfigur sicherVON MARKUS HESSELMANN GELSENKIRCHEN.Nach der Partie geschah Unerhörtes: Kapitän und "Mannschaftssprecher" Olaf Thon, sonst stets ein gefragter Interviewpartner, stahl sich am Journalistenpulk vorbei, der sich vor der Kabine des FC Schalke 04 drängte."Mal sehen, ob ich diesmal so durchkomme", sagte er zu sich selbst, allerdings für alle deutlich vernehmbar.Die kleine Koketterie war unangebracht.Denn Thon kam tatsächlich unbehelligt davon.Eine Stunde nach dem Schlußpfiff des erfolgreichen UEFA-Cup-Spiels des Fußball-Bundesligisten gegen Sporting Braga, richteten sich im Gewölbe des Parkstadions alle Augen und Ohren, Kameras und Mikrophone auf René Eijkelkamp. Der Charakterkopf des hochaufgeschossenen Stürmers ragte aus der Menschentraube heraus, das Licht der Scheinwerfer strahlte ihm ins Gesicht.Der Holländer selbst blieb ruhig, zeigte keine Spur von Selbstzufriedenheit oder gar Euphorie.Dabei hätte der 33jährige dazu allen Anlaß gehabt. Mit seinem 2:0 in der 63.Minute hatte Eijkelkamp seinem Team alle Sorgen genommen und dem Titelverteidiger den Einzug ins Viertelfinale gesichert.Die fast schon beängstigende Serie hielt: In 840 Europapokal-Minuten haben die Schalker zuhause kein Gegentor kassiert.166 314 Zuschauer waren allein zu den drei Heimspielen dieser Runde gekommen.Einnahmen von rund 30 Millionen Mark schlagen durch das anderthalbjährige UEFA-Cup-Engagement zu Buche.Diese Basisdaten beeindrucken offenbar selbst Düsseldorfer Bürokraten.Denn im nordrhein-westfälischen Landtag stimmte der zuständige Ausschuß jetzt einer Ausfallbürgschaft von 180 Millionen Mark für den Bau der neuen Schalke-Arena zu - ein weiterer Schritt zur Verwirklichung des ehrgeizigen Projekts, das den langfristig mit Trainer Huub Stevens und Manager Rudi Assauer planenden Klub fit für das nächste Jahrtausend machen soll.Eijkelkamp denkt erst einmal in überschaubarerem Rahmen: "Es ist wichtig, daß wir im UEFA-Cup überwintern können", meint er.Der Mann sagt immer "wir", niemals "ich"."Wir", das ist das europäische Kollektiv Schalke, in das er sich am Saisonbeginn eingereiht hatte.Eingeplant war der Routinier aber eigentlich nur als Teilzeitkraft.Bis zur Rückkehr seines Landsmanns Youri Mulder sollte er einspringen und sich dann zum Ausklang seiner Karriere mit der Rolle des "Ergänzungsspielers" bescheiden.Doch es kam anders.Mulders Genesung ließ auf sich warten.Und Eijkelkamp tat seine Arbeit, zuverlässig und zuweilen spektakulär.Das Schalker Publikum liebt ihn.Den Status der "Kultfigur" hat er sicher.Trotz einer Körpergröße von über 1,90 Metern ist er weder ein Brecher noch ein Kopfballungeheuer.Im Luftkampf ist er sogar ausgesprochen schwach.Doch am Boden ist Eijkelkamp trotz - oder gerade wegen - seiner langen Beinen unschlagbar, sowohl in sportlicher als auch in komödiantischer Hinsicht.Große Heiterkeit brach etwa aus, als der mit einer Sehnenreizung ins Spiel gegangene Stürmer dem zwei Köpfe kleineren Portugiesen Bruno den Ball durch die Beine schob.Auch die Szene, die zu seinem dritten UEFA-Cup-Tor führte, war sehenswert."Ich wußte eigentlich gar nicht, was ich machen sollte", sagt Eijkelkamp.Er stelzte mit dem Ball erst einmal an der gesamten Strafraumlinie entlang, als sei er an einem Tor gar nicht interessiert."Ich habe lange nach einem besser postierten Spieler gesucht", erklärte er später.Als sich partout niemand fand, machte Eijkelkamp auf dem Absatz kehrt, ließ zwei Portugiesen ins Leere gleiten und schlenzte den Ball ins Netz.Ihm waren tosender Beifall und Sprechchöre bei seiner Auswechslung kurz vor Schluß sicher. Doch was wird, wenn Mulder zurückkehrt? Eijkelkamp denkt auch hier zuerst ans Kollektiv: "Ich freue mich, wenn Youri und auch Goossens wieder dabei sind.Denn dann hat der Trainer mehr Alternativen." Und der Sturmveteran kann seine angegriffenen Sehnen endlich etwas schonen.

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