René Herms : Ein Tod wird untersucht

Ein junger Leichtathlet stirbt in seinem Haus. Fragen und Antworten zum Fall René Herms.

Frank Bachner
Herms
Rene Herms. -Foto: dpa

Der Leichtathlet René Herms ist am Wochenende tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Er wurde nur 26 Jahre alt. Wie wird der Fall jetzt weiter untersucht?



Der Dresdener Oberstaatsanwalt Christian Avenarius hat am Montag mitgeteilt, dass die Leiche von Herms obduziert wird. Die Ehefrau von Herms hatte eine Obduktion bisher aus unbekannten Gründen abgelehnt. „Die Ermittlungsrichterin hat dies angeordnet. Eine zusätzliche Genehmigung durch die Ehefrau ist dafür nicht erforderlich“, sagt Avenarius der Deutschen Presseagentur. Mit dem Obduktionsergebnis wird Ende der Woche gerechnet. Mit großer Sicherheit werde man dann die genaue Todesursache wissen, sagt Avenarius. „Nach dem äußeren Befund spricht nichts für ein Verbrechen“, fügte er hinzu. Trotzdem wird die Polizei Herms’ Wohnung noch einmal untersuchen, um möglicherweise Hinweise auf Fremdverschulden oder die Todesursache zu finden.

Möglicherweise starb Herms an einer Herzmuskelentzündung. Wie entsteht sie?

Ob Herms wirklich an einer Herzmuskelentzündung gestorben ist, ist bisher Spekulation.Thomas Asmuth, Sportarzt des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV), kennt den Fall Herms nur aus der Zeitung. Er ist deshalb vorsichtig. Aber nach allem, was zu lesen war, sagt er, „deutet viel darauf hin, dass eine Herzproblematik die Ursache des Todes war“. Vielleicht eine Herzmuskelentzündung. „Die ist als Todesursache sehr selten“, sagt Franz-Xaver Kleber, Direktor der Klinik für Innere Medizin des Unfall-Krankenhauses Berlin. „Sie wird in den allermeisten Fällen durch eine Virusinfekt ausgelöst.“ Herms hatte über eine solchen Infekt zur Weihnachtszeit geklagt. Diese Entzündung kann dann zu sehr bösartigen Herz-Rhythmus-Störungen führen, die den Kreislauf zum Zusammenbruch bringen. Ohne sofortige medizinische Hilfe ist der Tod unausweichlich. „Wenn jemand eine solche Entzündung hat, wird er schnell bewusstlos“, sagt Tim Meyer, Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der Universität Saarbrücken, wo viele Hochleistungssportler routinemäßig und im Speziellen untersucht werden. Wenn der Patient an einem solchen Virusinfekt leidet, fühlt er sich eine Zeitlang schlapp. Sollte er die Infektion nicht richtig ausheilen und gleichwohl seinen Körper überlasten, kann es zu Herz-Rhythmus-Störungen kommen. Mögliche Herz-Rhythmus-Störungen seien allein aber noch kein Grund zu großen Beunruhigung. „Die Hauptaufgabe der Kardiologen besteht darin, die Sorge von Hausärzten und Patienten bei solchen Störungen zu verscheuchen“, sagt Kleber. Außerdem gehörten Sportler nicht zu einer besonderen Risikogruppe. Auch jemand, der bloß am Computer sitze und sich damit überfordere, laufe Gefahr, gefährliche Herzbeschwerden zu bekommen. Wenn jemand Schwindelanfälle habe oder wenn ihm schwarz vor Augen werde, sei eine Untersuchung aber nötig. Herz-Rhythmus-Störungen, die durch eine Infektion ausgelöst werden, können wieder abklingen, wenn man seinen Körper schont. Falls die Sportmediziner der Universität Saarbrücken anhand von EKG-Aufzeichnungen oder Entzündungswerten im Blut sehen, dass es zu Herzproblemen gekommen ist oder noch kommen könnte, wird dem Sportler Schonung verordnet. „Es ist oft so, dass sich die Werte nach einer gewissen Zeit wieder normalisiert haben“, sagt Meyer.

Gibt es Indizien dafür, dass es sich um eine Folge von Doping handeln könnte?

Bisher nicht. Bekannt ist aber, wie Dopingmittel auch das Herz schädigen können. „Letztlich wirken sie genau so wie auf andere Muskeln auch, weil das Herz auch ein Muskel ist“, sagt Kardiologe Kleber. Die Herzzellen werden geschädigt, damit kann es in letzter Konsequenz zu Herz-Rhythmus-Störungen kommen.

Hätten die Sportärzte eine mögliche Krankheit nicht früher erkennen müssen?

Eine Herzmuskelentzündung ganz sicher zu diagnostizieren, ist nicht einfach und meist nur mit Hilfe einer Herzmuskelbiopsie möglich. Das bedeutet, dass eine winzige Probe des Herzmuskels entnommen und untersucht wird. Vor diesem Schritt schrecken allerdings viele Patienten zurück. Ohne eine solche Biopsie könnten Mediziner häufig nur einen Verdacht auf Herzmuskelentzündung äußern, sagt Meyer. In seiner Ambulanz gibt es nach Meyers Schätzung zwei bis drei Verdachtsfälle pro Monat. Sie bestätigen sich nur zu einem kleinen Teil.

Die deutschen Athleten werden routinemäßig einmal pro Jahr medizinisch untersucht. Was passiert da genau?

Bei diesen Routinechecks, die für jeden Topathleten einmal pro Jahr auf dem Programm stehen, wird ein Spitzensportler erstmal ausführlich befragt und körperlich untersucht. Dann erstellen die Mediziner ein Ruhe- und ein Belastungs-EKG. „Der Athlet wird dabei je nach Sportart belastet“, sagt Thomas Asmuth, der DLV-Sportarzt. Er hatte René Herms betreut, als der noch Mitglied der Junioren-Nationalmannschaft war. Nach den EKGs wird dem Athleten Blut entnommen. In einem Blutscreening wird ein ausführliches Blutbild gezeichnet. Dort können auch Hinweise auf eine Entzündung auftauchen. Vor allem aber wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens vorgenommen. „Diese Untersuchung ist auf höchstem Niveau“, sagt Asmuth. Allerdings betont Kardiologe Kleber, dass auch mit der besten Untersuchung nicht alle Probleme erkannt werden können. „Eine Krankheit wird oft nur dann erkannt, wenn ihre Symptome zum ersten Mal aufgetreten sind.“ Er kennt den Fall einer Frau, die untersucht wurde, nachdem sie einmal fast bewusstlos geworden war. Sie hatte Probleme, die auch mit dem Ultraschall nicht herauszufinden waren. „Das ging nur mit einer Kernspintomographie.“

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