Sport : Rennen gegen den Ruin

Jetzt müssen die Spieler den 1. FC Kaiserslautern retten

Oliver Trust

Kaiserslautern. Seltsamer war wohl noch nie eine Situation einer Mannschaft im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Da entkommt der 1. FC Kaiserslautern noch eben dem finanziellen Aus, und die Spieler wissen, dass sie mit einem Abstieg trotzdem noch den Klub in den Ruin treiben können. „Denn für die Zweite Bundesliga bekommen wir nach dem derzeitigen Stand keine Lizenz, wir wären hochgradig verschuldet“, sagt Rene C. Jäggi, der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern. 13 Millionen Euro würden im Finanzkonzept fehlen.

Obwohl die Pfälzer am Mittwoch die Insolvenz abwenden konnten, weil sie mit ihren fünf Gläubigerbanken und der Stadt eine Betreibergesellschaft gründen werden, die das Fritz-Walter-Stadion und viele Schulden des Klubs übernimmt, hängt alles am Klassenerhalt. „Ich habe nach dem Gespräch des Präsidenten mit den Spielern gespürt, wie groß die Verunsicherung der Spieler gewesen ist“, sagt Trainer Erik Gerets. Kapitän Thomas Hengen meint: „Wir Spieler müssen unseren Teil beitragen. Das sportliche Überleben ist die Voraussetzung zur Sanierung.“

Die Stadt Kaiserslautern wird Hauptträger der Stadiongesellschaft und gibt weitere elf bis zwölf Millionen Euro für das Projekt. Das Land Rheinland Pfalz hat zudem zehn Millionen Euro zugesagt, die aber nur in den Ausbau der Arena für die Weltmeisterschaft fließen. Der Klub muss an die Objektgesellschaft im Jahr drei bis 3,5 Millionen Euro an Miete zahlen. In der finanziell weniger lukrativen Zweiten Bundesliga wäre diese Belastung neben allen Hypotheken für den Klub kaum tragbar. Denn es steht ja zudem noch eine Bestrafung durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wegen dubioser Zahlungen an Spieler und Berater ins Ausland im Raume. Jäggi will klären, was auf den Klub zukommt. Das Finanzamt fordert 12,9 Millionen Euro wegen unversteuerter Lohnzahlungen. So soll zum Beispiel der ehemalige Trainer Andreas Brehme mit einer Million Euro abgefunden werden, obwohl ihm mehr zustünde. Neben dem Deal mit Brehme ist die alte FCK-Führung unter Jürgen Friedrich und Gerhard Herzog dafür verantwortlich, dass fast alle Verträge der aktuellen Spieler für die Zweite Bundesliga gelten. Fraglich ist zudem, ob der FCK nicht auch noch an ehemalige Spieler wie Djorkaeff, West und Ogjenovic Zahlungen leisten muss. „Wir sind einen ganz großen Schritt weiter“, sagt Klubchef Jäggi. „Die Grundzüge der Sanierung für die Bundesliga sind geregelt.“ Möglich war die Sanierung nur, weil die drei Banken, die die Hauptlast der 36 Millionen Altschulden tragen, mehr Pachteinnahmen aus der Stadiongesellschaft bekommen. Angedacht ist zudem, dass eventuelle Einnahmen aus den Regressansprüchen gegen die alte Klubführung um Friedrich an die Stadt Kaiserslautern oder die Banken fließen, um deren Risiko zu mildern. Der FCK hat Klage eingereicht.

Inzwischen durchsuchten Steuerfahnder der Staatsanwaltschaft Privat- und Büroräume der alten Klub-Führung des 1. FC Kaiserslautern sowie der „Rogon“. Die Spielerberatungsgesellschaft soll überhöhte Provisionszahlungen erhalten haben. Laut der ZDF-Sendung „Frontal 21“ allein für Christian Timm 1,22 Millionen Euro.

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