Rennen in Malaysia : Formel 1 in Zeiten der Flugzeugkatastrophe

Die Formel 1 macht in Malaysia Halt, einem Land zwischen Trauer, Ablenkung und Trotz. Die Angehörigen des verschollenen Flugzeuges müssen aus dem Hotel weichen.

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Mercedes-Pilot Nico Rosberg war in Malaysia Trainingsbester.
Mercedes-Pilot Nico Rosberg war in Malaysia Trainingsbester.Foto: Reuters

Malaysia als Gastgeber der Formel 1 – das ist in diesen Tagen eine besondere Beziehung. Das Land steht noch unter dem Eindruck der Flugzeugkatastrophe von MH 370, sowohl in den Medien als auch in der Bevölkerung gibt es kaum ein anderes Thema. Zwar wurde keine offizielle Staatstrauer angeordnet, doch zumindest in einigen Provinzen sind die Flaggen auf Halbmast gesetzt, der Schock sitzt tief. Und rein räumlich ist die Formel 1 dem Drama ziemlich nahe: Die Strecke von Sepang liegt nur gute zehn Kilometer vom Flughafen von Kuala Lumpur entfernt, wo der Unglücksflug MH370 vor fast drei Wochen startete. Bis zum Sonntag war das Sana-Sana-Hotel direkt am Airport auch das Medienzentrum für die Berichterstattung über die Flugzeugkatastrophe. Als dann die Formel 1 mit ihrem Tross anrückte und das Hotel wie jedes Jahr belegte, wurden die täglichen Pressekonferenzen der Regierung in die Stadt verlegt, auch einige der chinesischen Angehörigen, die zunächst in von der Formel 1 geblockten Hotels untergebracht waren, mussten umziehen.

Angesichts dieser Vorzeichen macht sich auch Streckenchef Razlan Razali Gedanken, ob die Leute wohl am Sonntag tatsächlich kommen werden. Ob in ihren Gedanken und Gefühlen im Moment überhaupt Platz ist für die Formel 1 – obwohl der Vorverkauf zunächst einmal sogar besser lief als im Vorjahr. Gedanken an eine Absage des Rennens habe es aber seitens des Veranstalters nie gegeben, auch wenn die Frage gestellt worden sei – speziell nach der endgültigen Erkenntnis am Montag, dass es keine Hoffnung auf Überlebende mehr gebe. Razali sagt: „Aber es war für uns schon seit einiger Zeit klar, dass wir das Rennen an sich auf jeden Fall durchziehen werden.“ Nur im Showprogramm rundherum soll es deutliche Abstriche geben. Der Hauptsponsor des Rennens, der Ölkonzern Petronas, hat einige Konzerte in der Stadt abgesagt, die an der Strecke sollen in einem gedämpfteren, „der allgemeinen Stimmung angemessenen Rahmen“ stattfinden.

Nicht wenige in Malaysia halten es trotz der gedrückten Stimmung sogar für wichtig, das Rennen auf jeden Fall durchzuziehen. Um der Welt gegenüber ein positives Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass man sehr wohl in der Lage ist, mit Herausforderungen fertig zu werden. Viele sehen ihr Land von der Berichterstattung in den ausländischen Medien über den Umgang mit der Katastrophe zu Unrecht angegriffen. Große Zeitungen wie die „New Straits Times“ wiesen des Öfteren auf fehlerhafte Berichte und Unkenntnis der lokalen Gegebenheiten hin. So sei in der Kritik über das zögerliche Handeln des malaysischen Militärs vergessen worden, dass sich die Maschine im Großteil der fraglichen Zeit überhaupt nicht in malaysischem, sondern im thailändischen Luftraum befand. Dass man kein unorganisiertes Entwicklungsland sei, das will man auch mit dem Grand Prix noch einmal beweisen.

Das von Petronas gesponserte Mercedes-Team wird am Wochenende mit „Tribute to MH370“-Aufklebern auf den Wagen fahren. Auch das Caterham-Team, das dem malaysischen Air-Asia-Besitzer Tony Fernandes gehört, plant spezielle Solidaritätsbekundungen, am Sonntag vor dem Start soll es außerdem eine offizielle Schweigeminute geben. Fans an der Strecke können außerdem auf einer Kondolenzwand Nachrichten hinterlassen – solche Tafeln stehen schon überall im Land an sehr belebten Orten. Vergessen nein, Weitermachen ja, irgendwie zurück in die Normalität finden: Der Grand Prix könnte zumindest für einige in Malaysia ein Schritt auf diesem Weg sein.

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