Sport : Rennen mit gutem Geist

Der TSV GutsMuths hat einen integrativen Lauf erfunden – jeder startet nach seinen Möglichkeiten

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Startschuss. Beim Run of Spirit lief auch der kenianische Paralympics-Sieger Henry Wanyoike mit (in Rot in der Mitte, links daneben sein Laufpartner Lennart Sponar). Foto: promo
Startschuss. Beim Run of Spirit lief auch der kenianische Paralympics-Sieger Henry Wanyoike mit (in Rot in der Mitte, links...

Diese Geschichte handelt von einer Erfindung, in der Geschichte kommen gleich mehrere hundert Helden vor und sie hat sogar zwei Happy Ends. Aber sie beginnt mit einem Moment Stille.

Der herbstliche Grunewald im Jahr 2008. Eine kleine Trainingsgruppe läuft durch den Wald. Noch in einem Tempo, bei dem man sich gut unterhalten kann, so wie es Laufbücher und Trainer empfehlen. Doch nach einer Weile entsteht eine Gesprächspause. In dieser Pause bringt einer aus der Laufgruppe ein neues Thema auf und einen Namen: Henry Wanyoike, ein Läufer aus Kenia, der – obwohl er blind ist – sportliche Ausnahmeleistungen erbringt. Dreimal hat er Gold bei den Paralympics gewonnen. Ein Vorbild. Einer, der nicht aufgibt. Wie viel Kraft der Sport schenken und freisetzen kann, dieser Gedanke lässt die kleine Laufgruppe im Grunewald nicht mehr los. Er begleitet sie auch dann weiter, als sie ihr Training längst beendet haben. Sie sprechen darüber mit Geschäftspartnern und Freunden des TSV GutsMuths. Freunde, die sich sehr gut in der Leichtathletik auskennen.

Gemeinsam erfinden sie etwas: einen integrativen Lauf, in dem jeder eine Herausforderung nach seinen Möglichkeiten findet. Den Run of Spirit.

Das ist das Innovative daran: Es starten Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen, Läufer und Geher, Rollstuhlfahrer, Menschen mit ganz verschiedenen körperlichen und geistigen Voraussetzungen. Auch ein Kinderlauf gehört zum Programm. Sie alle legen einen Weg zurück. „Bewegung und Begegnung“ lautet das treffende Motto und seinen Namen hat der Run of Spirit nicht nur verdient, weil er jedes Jahr am Pfingstmontag stattfindet. Er zeigt auch, wie viel Geist im Sport steckt.

Das Konzept ist zudem so überzeugend, weil es zwei große Wörter mit Leben füllt: Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit. Es ist eben nicht so, dass an einem Tag alles wieder vorbei ist. Der Run of Spirit hat einen Vorlauf. Eine integrative Trainingsgruppe bereitet Menschen darauf vor. Der Lauf ist das Ziel. Und von der Startgebühr landet jedes Jahr ein Teil bei förderungswürdigen Projekten. Das kann das House of Hope in Kenia sein, das bedürftige Kinder versorgt. Oder der Schwesterlauf des Run of Spirit in Posen.

Seit 2009 findet der Run of Spirit nun schon in Berlin statt, jedes Jahr auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstifts im Spandauer Forst. Das Johannesstift ist der Partner des Laufs, ein besonders geeigneter, denn es ermöglicht Kindern, Jugendlichen, Menschen mit Behinderung und älteren Menschen Teilhabe und fördert ihre Selbständigkeit. Auch das ist Spirit, guter Geist.

Und nun zu den beiden Happy Ends. Das erste ist, dass jedes Jahr hunderte von Menschen glücklich ins Ziel kommen. Auch Henry Wanyoike ist schon mitgelaufen. Erlebnis zählt mehr als Ergebnis. 850 Teilnehmer waren es in diesem Jahr. Und das zweite Happy End: Der Run of Spirit gefiel der Jury des Innovationspreises des Berliner Sports so gut, dass er auf dem ersten Platz gelandet ist.

Der Text ist die leicht veränderte Laudatio für den TSV GutsMuths bei der Preisverleihung am 2. November.

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