Sport : Rennen mit Risiko

Beim heutigen Preis der Dreijährigen in Hoppegarten möchte der Ungar Kerekes erneut überraschen

Ingo Wolff

Hoppegarten. Manchmal macht Karoly Kerekes noch kleine Fehler. Für seinen Trainer Wolfgang Figge ist das ärgerlich, denn ein Fehler des Jockeys bedeutet meistens einen verpassten Sieg für seine Pferde. Da der Ungar aber erst 23 Jahre alt ist und noch am Anfang seiner Jockeykarriere steht, hat Figge seinem neuen Stalljockey vertraut und hart mit ihm gearbeitet. „Wir haben uns jeden Montag hingesetzt und die Rennen vom Wochenende analysiert“, sagt Figge. Das hat sich ausgezahlt: Kerekes hat sich mit 35 Siegen in nur 220 Starts im Vorjahr zum Newcomer im deutschen Galoppsport entwickelt. Der Ungar wurde Champion auf der Rennbahn in München – mit Figge, dem erfolgreichsten Trainer in Riem und Mitglied der deutschen Top Ten. Wer bei Figge als Stalljockey arbeitet, startet in Riem mit den besten Pferden.

Mit seinen guten Rennen hat sich der Jockey mit dem weichen Gesicht und der kindlichen Stimme inzwischen auch über München hinaus einen Namen gemacht. Für die Stutenmeile am Ostersonntag in Hoppegarten hatte ihn die Krefelder Erfolgstrainerin Erika Mäder für die Außenseiterin Avenir Ruba engagiert. Mit der Stute hat der Ungarische Meister von 2001 gezeigt, warum ihn Figge vor einem Jahr als Stalljockey nach München geholt hat. „Karoly hat Finishstärke“, sagt Figge und meint die mentale und körperliche Stärke, um sich im Zielspurt gegen andere Reiter durchzusetzen. Und das trotz seines – selbst für einen Jockey – leichten Gewichts. Er hat sich mit Avenir Ruba gegen die Favoriten durchgesetzt.

Für Trainerin Erika Mäder war diese Überraschung ein gutes Zeichen; sie setzt deshalb heute im Frühjahrszuchtpreis der Dreijährigen in Hoppegarten wieder auf den Ungarn. Coltminator gilt im sechsten Rennen (erster Start heute, 14.45 Uhr) als aussichtsreiches Pferd, Favorit ist allerdings Impetuoso. Bei den Dreijährigen muss das aber nicht viel heißen. Wegen ihrer Unerfahrenheit zeigen die jungen Galopper nicht in jedem Rennen das, was man wegen ihrer Abstammung von ihnen erwartet. Um den Jahrgang der Dreijährigen entsteht jedes Jahr immer ein besonderer Mythos, sie stehen im Mittelpunkt, denn bei den Dreijährigen tritt der Zuchtgedanke im Rennsport immer besonders hervor, und das Derby Ende Juli in Hamburg ist das Ziel für jeden Trainer und Besitzer.

Auch für einen Jockey bedeutet ein Ritt auf einem Dreijährigen immer etwas Besonderes. „Die jungen Pferde wissen noch nicht so richtig, wie man ein Rennen reitet“, sagt Kerekes, „sie haben noch nicht die volle Konzentration und schauen schon mal nach links und rechts.“ Diese Ablenkung ist bei 70 Stundenkilometern nicht ganz ungefährlich und bringt gerade bei den Rennen des Derbyjahrgangs häufiger einen unerwarteten Ausgang. Auch bei der Derbyvorprüfung am Samstag in Hoppegarten kann das passieren. In jedem Fall sollten Pferdewetter den jungen Ungarn nicht außer Acht lassen.

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