Sport : Rennen und fernsehen

Potsdams Fußballerinnen starten in die Saison

Helen Ruwald

Berlin - Das Rundum-Paket von Turbine Potsdam beinhaltete zwar weder Sprachlabor noch Billardtisch wie bei Klinsmanns FC Bayern, aber immerhin gab es Fernseher. Kanuten und Judoka am Olympiastützpunkt Potsdam am Luftschiffhafen „hatten auch in den Trainingsräumen überall Fernseher aufgestellt, die Endkämpfe bei Olympia haben wir mit ihnen gesehen“, erzählt Turbines Trainer Bernd Schröder. Die Fernsehzeit war die Erholungsphase zwischen den Trainingseinheiten in der Saisonvorbereitung der Bundesligafußballerinnen.

Schröder eilte schon immer der Ruf voraus, seine Mannschaft in der Saisonvorbereitung besonders zu triezen, mehr als seine Kollegen es tun. Doch in diesem Sommer hat sich der Coach noch etwas Neues einfallen lassen. Fünf Wochen ließ er die Spielerinnen auf dem Trainingsgelände am Olympiastützpunkt Potsdam dreimal täglich schuften – ungewöhnlich in einer Liga mit kaum einem Profi. Um die Fitness der Schülerinnen und Studentinnen kümmerte sich Athletiktrainer Jörg Weber, der eigentlich am Olympiastützpunkt für Bob-Olympiasieger Kevin Kuske zuständig ist.

Die Umstellung der Vorbereitung war laut Schröder nötig, weil zahlreiche seiner Spielerinnen im Herbst an der U-17-WM in Neuseeland oder der U-20-WM in Chile teilnehmen, und bei dieser Doppelbelastung aus Bundesliga und WM „von dieser Vorbereitung zehren müssen“. Zum anderen haben die Potsdamerinnen, die zum Bundesligaauftakt heute den FC Bayern München empfangen (14 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion) in der letzten Spielzeit, die sie als Dritter abschlossen, mehrmals in der Schlussphase Gegentore kassiert, weil Kondition und Konzentration fehlten. Bei der 2:7-Niederlage beim FC Bayern etwa schossen die Münchner zwischen der 79. und 90. Minute vier Tore.

Auch die Spielweise soll sich ändern. In der Saison 2005/06 erstürmte Turbine mit 115:13 Toren den deutschen Meistertitel, ein Jahr später beendete Potsdam die Saison mit 51:23 Toren, danach mit 48:32. In dieser Zeit verließen die Nationalstürmerinnen Petra Wimbersky und Conny Pohlers das Team, dann auch Abwehrchefin Ariane Hingst und Weltklassetorhüterin Nadine Angerer. Im Sommer ist Aferdita Kameraj zurück zum Hamburger SV gegangen, und die 20-jährige Babett Peter, die in Peking mit dem DFB-Team Olympia-Bronze gewann, ist die erfahrenste Frau in Potsdams Abwehr.

Deshalb setzt Schröder wieder verstärkt auf die Offensive, „wir haben vorne ja mit Isabel Kerschowski und Bianca Schmidt schnelle Leute“. Und natürlich Anja Mittag, die zweite Potsdamer Nationalspielerin, die in Peking war. Im Mittelfeld soll die aus Bad Neuenahr zurückgekehrte Viola Odebrecht, Weltmeisterin von 2003, die Akzente setzen. Weitere starke Zugänge gibt es nicht. Ziel mit diesem jungen Kader ist der Einzug ins DFB-Pokal-Finale und ein Platz unter den ersten drei der Meisterschaft. Favorit auf den Titel ist für Schröder der FCR Duisburg, „die haben großes Potenzial, vier Spielerinnen waren in Peking“. Bei Meister und Uefa-Cup-Sieger Frankfurt hingegen „sind viele überspielt“.

Um sich oben in der Tabelle festsetzen zu können, hat Schröder Kontakte zum norwegischen Spitzenteam Kolbotn IL und zum WFC Rossiyanka Moskau geknüpft. In beiden Ligen endet die Spielzeit im Oktober, erst danach könnte Turbine Verstärkung bekommen. Kolbotns norwegische Nationalspielerin Solveig Gulbrandsen war im Gespräch, „aber da hat das Paket nicht gestimmt, die hat Mann und Kind“, sagt Schröder. Dafür könnte Trine Rönning, ebenfalls eine Topspielerin, Potsdamerin werden. „Sie will kommen“, sagt Schröder. Der ultimative Teamgeist-Test wird ihr vermutlich erspart bleiben: Zu Wochenbeginn sicherten sich die Potsdamerinnen in einem Kletterpark gegenseitig und balancierten in mehreren Meter Höhe auf schwankenden Holzbalken.

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