Sport : Rennfahrer im Trennungsjahr

Nach dem gescheiterten Wechsel zu Williams arrangiert sich ein gereifter Jenson Button mit seinem Formel-1-Team BAR – auf jeden Fall bis Saisonende

Christian Hönicke[Barcelona]

Jenson Button gehen die Argumente aus. „Ich werde eben alt, Mann!“, ruft er fast verzweifelt. Gerade eben hat er erklärt, dass er seinen 25. Geburtstag im Januar ausschließlich mit Testfahrten und seiner Freundin verbracht hat. Keine ausschweifende Party, keine Skandälchen. Glauben will ihm das niemand, deswegen sieht sich Button zu seinem Eingeständnis genötigt.

Jenson Button hat sich verändert. Bis vor kurzem ließ der Formel-1-Pilot keine Party aus, wechselte die Begleiterinnen ähnlich häufig wie die Reifen und traf kaum seltener Entscheidungen, die man als unüberlegt bezeichnen könnte. „Alt“ ist für einen 25-Jährigen vielleicht die falsche Bezeichnung, aber Jenson Button tritt inzwischen durchaus gereift auf. Das hat auch Nick Fry bemerkt. „Der Unterschied zwischen Jenson heute und Jenson vor zwei Jahren ist dramatisch“, sagt der Teamchef von BAR-Honda.

Das hat etwas mit unüberlegten Entscheidungen zu tun und damit, dass Button die wohl unüberlegteste im vergangenen Jahr traf: Er gab seinen Wechsel zu BMW-Williams bekannt, obwohl er vertraglich noch bis 2006 an BAR gebunden war. Sein Arbeitgeber überlegte etwas länger und kam zu dem Schluss, dass er Button nicht gehen lassen wollte. Der Fall landete beim „Contract Recognition Board“ des Motorsport-Weltverbandes (Fia), das sich Vertragsstreitigkeiten annimmt.

„Natürlich waren alle ein bisschen enttäuscht von dieser Entwicklung“, sagt Nick Fry. „Aber Jenson und das Team haben sehr professionell weitergearbeitet.“ So professionell immerhin, dass Button am Ende WM-Dritter und BAR in der Konstrukteurswertung nur von Ferrari geschlagen wurde. Das Verhältnis zum Team habe durch die Angelegenheit nicht gelitten, beteuert Button: „Ich habe mich mit den Jungs zusammengesetzt und über die Zukunft gesprochen.“ Das wäre ohnehin notwendig gewesen, denn schließlich gab die Fia bekannt, dass Button 2005 bei BAR fahren muss.

Zwang ist keine gute Basis für eine Beziehung. Schon gar nicht in der Formel 1, in der Piloten und Mechaniker in der Regel nur mit einem vertrauensvollen Verhältnis Erfolg haben können. Trotzdem ist Fry davon überzeugt, dass Button mit dieser schwierigen Situation umgehen kann: „Ihm ist jetzt bewusst, dass er eine Führungsrolle in einem Spitzenteam ausfüllen muss. Er ist absolut motiviert.“

Wie zur Bestätigung gibt sich Button selbst für seine Verhältnisse betont angriffslustig. „Michael Schumacher muss aufpassen“, sagt er und klingt dabei wieder ein bisschen wie der alte, zur Überheblichkeit neigende Button. Doch wenn die Sprache auf die Geschehnisse der vergangenen Monate kommt, wird er nachdenklich. „Ich habe einige Fehler gemacht“, sagt er deutlich leiser. Sein Vorgesetzter äußert sich konkreter. „Jenson hat sich zu sehr auf Leute verlassen, auf die er sich besser nicht verlassen hätte“, sagt Fry. Er meint Buttons Manager John Byfield, der ihn trotz des gültigen Vertrags mehr oder weniger zu dem Wechsel gedrängt hatte. „Ich hatte keine Ahnung von der rechtlichen Seite, also habe ich geglaubt, was man mir erzählt hat“, sagt Button. Inzwischen hat er sich von Byfield getrennt. „Ich habe eine Menge gelernt.“

Das muss jedoch nicht heißen, dass Button bei BAR bleibt. Das Jahr 2005 könnte eine Art Trennungsjahr in der Ehe Button-BAR werden. Williams hat von der Fia die Erlaubnis erhalten, den Engländer nach dieser Saison zu verpflichten, und Button stellt klar: „Wenn es dieses Jahr nicht funktionieren sollte, dann werde ich wechseln.“ Nick Fry weiß das. „Jenson hat hohe Ansprüche an sein Auto. Nur wenn wir ihm die erfüllen können, wird er bleiben.“ Wie diese Ansprüche genau aussehen, hat Button schon angedeutet: Er will beim Saisonauftakt in Melbourne am 6. März endlich seinen ersten Grand Prix gewinnen. Mit einem kaum wahrnehmbaren Lächeln setzt er hinzu: „Und zwar mit einer Runde Vorsprung.“ Manchmal ist Jenson Button immer noch der, der er vor zwei Jahren war.

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