Rennsport : Bernie Ecclestone verschärft Imagekrise der Formel 1

Mit seiner umstrittenen Expansionsstrategie verschärft Bernie Ecclestone die Imagekrise der Formel 1.Sie soll demnächst wohl nicht nur im russischen Sotschi, sondern auch noch ab 2016 in Baku, Aserbaidschan, antreten.

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Zwei wie Pech und Schwefel. Bernie Ecclestone und Russlands Präsident Wladimir Putin machen gern gemeinsame Sache. Foto: dpa
Zwei wie Pech und Schwefel. Bernie Ecclestone und Russlands Präsident Wladimir Putin machen gern gemeinsame Sache. Foto: dpaFoto: dpa

Christian Horner explodierte, anders kann man es nicht sagen. „Was soll das? Das ist doch nur alles negativ hier – wir sollten hier darüber reden, wie unsere Fahrer am letzten Wochenende gekämpft haben, oder wie sie an diesem Sonntag kämpfen werden“, ereiferte sich der Red-Bull-Teamchef , als er und fünf seiner Formel-1-Kollegen in Ungarn mit unangenehmen Fragen konfrontiert wurden. Erst zu den wirtschaftlichen Verhältnissen in der Formel 1, dann aber vor allem zur politischen Verantwortung. Es ging um die Tatsache, dass die Formel 1 nicht nur demnächst im russischen Sotschi, sondern jetzt auch noch ab 2016 in Baku in Aserbaidschan antreten will. Das hatte der Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone vor dem heutigen Rennen auf dem Hungaroring bei Budapest (14 Uhr/RTL und Sky) bekannt gegeben.

Ob man es für sinnvoll erachte, angesichts der sowieso schon bestehenden Imageprobleme jetzt auch noch in ein Land zu gehen, das in Sachen Menschenrechte und Pressefreiheit ganz hinten liege, lautete eine Frage an Horner und Kollegen. Und ob die Formel 1 Ecclestone denn auch nach Nordkorea folgen würde. „Fragt doch Bernie Ecclestone oder Jean Todt danach, aber nicht immer uns“, schimpfte Horner. Danach wurde aus dem Kreis der Angesprochenen die Forderung laut, der Automobil-Weltverband Fia und sein Präsident Jean Todt sollen sich doch darum kümmern, solche kritischen Fragesteller aus dem Fahrerlager zu entfernen. Am Samstag wurde dann tatsächlich ein Meeting zum Thema Umgang mit Kritik einberufen. Ein Ergebnis dieses Treffens soll sein, dass man Flavio Briatore verpflichten will, um die Außendarstellung der Formel 1 zu verbessern. Jenen Briatore, der 2009 als Renault-Teamchef einen Unfall inszenieren ließ und danach eigentlich lebenslang gesperrt wurde.

Die Allmacht der Formel 1 in einer Hand

Der Fall macht die Hilflosigkeit deutlich, die sich in der Formel 1 breitgemacht hat. Vor allem unter den heutigen Teamchefs, die letztlich keinerlei Entscheidungsgewalt mehr haben. Unter dem Druck, sich rechtfertigen zu müssen und es nicht wirklich zu können, gehen dann selbst einem intelligenten Menschen wie Horner die Nerven durch.

Die Allmacht der Formel 1 vereint weiter Bernie Ecclestone in seiner Hand. Das ist insofern bemerkenswert, als es vor dem Beginn des Bestechungsprozesses gegen ihn in München geheißen hatte, dass er keine Verträge im Namen der Formel 1 mehr abschließen dürfe. Doch nun hat der eigentlich schon abgeschriebene Brite mit seinen neuen Rennverträgen mit Mexiko-Stadt und Baku noch einmal richtig zugeschlagen. Und die Formel 1 mit seinen Alleingängen in Erklärungsnöte gestürzt.

2015: Ein Jahr ohne deutsches Rennen

Ecclestone selbst stören die öffentlichen Diskussionen über die politischen Verhältnisse in seinen Expansionsländern wenig. Zur Kritik am Debüt in Sotschi im Oktober angesichts des Ukraine-Konflikts fiel ihm nur ein: „Mister Putin hat uns enorm unterstützt und war sehr hilfreich, und wir werden das Gleiche tun.“ Auch die Menschenrechtslage in Aserbaidschan gibt nicht eben zu Jubel Anlass, schon vor dem Eurovision Song Contest vor einem Jahr wurde unter anderem die Verfolgung Oppositioneller debattiert. Ob sich die Zuschauer dort für die Formel 1 begeistern können, ist die nächste Frage.

Interessant ist auch, ob und welche Traditionsstrecken eventuell für die Neuzugänge gestrichen werden müssen. Mit in der Verlosung: Deutschland. Mit dem Nürburgring gibt es weiterhin keinen Vertrag. Und Hockenheim ist nach der Zuschauerpleite am vergangenen Wochenende, die dem Veranstalter zwei Millionen Euro Verlust bescherte, garantiert nicht heiß darauf, seinen Zwei-Jahres-Rhythmus aufzugeben und einzuspringen. Was nie jemand für möglich gehalten hätte, befürchten nun einige im Fahrerlager für 2015: ein Formel-1-Jahr ohne deutsches Rennen.

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