Rennstrecke : Formel 1 nie mehr in Hockenheim?

Der Grand Prix auf dem traditionsreichen Hockenheimring steht vor dem Aus. Weil das Land Baden-Württemberg keine Zuschüsse gewähren will, droht bereits die Absage des Rennens 2010.

Christian Hönicke

Berlin - Karl-Josef Schmidts Stimme klingt düster. „Wenn das stimmt, ist die Formel 1 in Hockenheim akut gefährdet.“ Der Geschäftsführer der Hockenheimring-GmbH hat soeben erfahren, dass das Land Baden-Württemberg der finanziell angeschlagenen Rennstrecke keinen Zuschuss gewähren will, um die Verluste der Formel 1 auszugleichen. „Von der Landesregierung wurde der Stadt Hockenheim gegenüber keine Bereitschaft signalisiert, Defizite aus dem Formel-1-Rennen zu übernehmen“, lautete die Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Landtag. In diesem Jahr fuhr der Hockenheimring durch den Grand Prix einen Verlust von 5,3 Millionen Euro ein. Der Vertrag der Traditionsstrecke mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone läuft noch bis 2010 – dass er verlängert wird, ist nun äußerst unwahrscheinlich. „Das hängt von den Konditionen ab“, sagt Schmidt vorsichtig. Mehr noch: Unter den geänderten Vorzeichen „müssen wir sehen, ob wir da schon vorher rauskommen. Ohne Zuschüsse des Landes wird es künftig keine Formel 1 mehr in Hockenheim geben.“

Die Stadt Hockenheim jedenfalls sehe sich nicht in der Lage, auf Dauer die Kosten allein zu tragen, erklärte Oberbürgermeister Dieter Gummer. Um die Verluste aus den Pachtzahlungen für Ecclestones Zirkus in zweistelliger Millionenhöhe und den gesunkenen Zuschauerzahlen zu minimieren, wechseln sich der Hockenheimring und der ebenfalls defizitäre Nürburgring jährlich mit der Austragung des Grand Prix ab. Dennoch sei auch beim Nürburgring trotz finanzieller Unterstützung durch das Land Rheinland-Pfalz „die Grenze der Belastbarkeit erreicht“, sagt Schmidt. Wenn Ecclestone seine Anforderungen nicht ändere, „wird die Formel 1 nicht nur aus Hockenheim verschwinden, sondern generell aus Deutschland. Dann wird nur noch in arabischen Ländern gefahren.“ Ob die selbsternannte Rennstadt Hockenheim in zwei Jahren zumindest noch ihren 32. Grand Prix als Abschiedsvorstellung austragen darf, ist unklar. „Schön wär’s“, sagt Karl-Josef Schmidt, „aber da bin ich mir im Moment wirklich nicht sicher.“Christian Hönicke

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben