Sport : Rentner im Élyséepalast

Frankreich kritisiert Sarkozys Treffen mit Henry

Das Gespräch des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy mit Nationalspieler Thierry Henry über die Weltmeisterschaftspleite der französischen Mannschaft ist auf Kritik gestoßen. Das Treffen fand ausgerechnet am nationalen Protesttag gegen Einschnitte bei den Renten statt. „Thierry Henry im Élyséepalast an einem Tag, an dem zwei Millionen Franzosen auf der Straße ihre Wut ausdrücken: Das ist völlig daneben“, sagte der Vizechef der Sozialisten, Harlem Désir, am Freitag. „Das Problem des Coachings gibt es in diesen Wochen nicht nur bei der Fußball-Nationalmannschaft, sondern vielleicht auch an der Staatsspitze.“

„Nicolas Sarkozy hat seine Streikenden gewählt“, schrieb die Zeitung „Libération“ am Freitag. „Während die Demonstranten die Arbeit niederlegten, um gegen die Rentenreform zu demonstrieren, warf der Staatschef lieber seinen Tagesplan um, um den Unsichtbarsten der streikenden Fußballer zu empfangen: Thierry Henry“, schrieb die Zeitung. „Das war sicherlich dringend: Die Zukunft der künftigen Rentner der Bleus konnte nicht warten.“ Ähnlich äußerten sich andere Kommentatoren.

Weder Henry noch Sarkozy hatten sich über die Inhalte ihres Gespräches geäußert. Henry war durch einen Nebeneingang in den Élyséepalast geschleust worden und hatte das Gebäude ebenso heimlich wieder verlassen. Sarkozy hat für den Herbst eine Reform des französischen Fußballs angekündigt. Er drängt wegen des WM-Debakels auf einen Rücktritt von Verbandschef Jean-Pierre Escalettes. Regierungssprecher Luc Chatel erklärte am Freitag, er verstehe die Kritik an dem Treffen mit Henry nicht. „Der Präsident empfängt, wen er will.“ Wenn Sarkozy Henry nicht empfangen hätte, hätte man ihm sicherlich vorgeworfen, sich für das derzeit wichtigste Thema im Lande nicht zu interessieren.

Vizeweltmeister Frankreich war nach blamablen Auftritten gegen Uruguay (0:0), Mexiko (0:2) und Gastgeber Südafrika (1:2) als Letzter der Gruppe A nach der Vorrunde ausgeschieden. Zudem war Stürmer Nicolas Anelka nach Hause geschickt worden, nachdem er Trainer Raymond Domenech beschimpft hatte. dpa

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