Sport : Resistent gegen das Effenberg-Syndrom

Marko Rehmer reagiert empfindlich, wenn jemand seine Leistung als Nationalspieler über die im Verein stellt. Soll bloß keiner denken, er nehme den gut bezahlten Job als Verteidiger bei Hertha BSC nicht so wichtig und wolle lieber im schwarz-weißen Trikot live zur besten Sendezeit glänzen. Formulieren wir das Ganze also positiv: Bei Hertha spielt Rehmer gut, in der Nationalmannschaft hervorragend.

Der Berliner Rehmer steht für die neue Wertschätzung, die Länderspiele im Kreis der Profis erfahren. Kräfte schonen für die Bundesliga? Kommt nicht in Frage! Der Leverkusener Block um die am Mittwoch überragenden Bernd Schneider und Michael Ballack etwa spielt in der Nationalmannschaft stärker auf, als er es im Verein angesichts der dort herrschenden Konkurrenz aus Brasilien tun kann. Offensichtlich sind die Nationalspieler des Jahres 2001 resistent gegen das Effenberg-Syndrom, gegen das Begehren, seine Kunst ausschließlich dem Verein zu widmen und die Nationalspieler als arme Irre hinzustellen, die ihre begrenzte Freizeit kollektiv in Sportschulen und Flugzeugen verbringen.

Das zeugt vielleicht von einer veränderten Einstellung zur Heimat, ganz bestimmt aber von einer professionelleren Einstellung zum Berufsbild Fußballprofi. Anders als in Spanien oder Griechenland erlangt der Volkssport Fußball seine Popularität in Deutschland auch durch eine starke Nationalmannschaft. Ihre Erfolge schaffen die gute Grundstimmung, von der auch die Vereine und mit ihr die Spieler profitieren. Das hat, nach dem Debakel bei der Europameisterschaft 2000, auch die Bundesliga erkannt. Seitdem die Klubmanager das Thema Nationalmannschaft zur Chefsache erklärt haben, spielen die einst heftig kritisierten Freistellungen keine Rolle mehr. Das allerdings kann sich ändern, wenn zwischen der Leistung im nationalen Trikot und dem des Arbeitgebers eine Lücke klafft. Hertha BSC hätte nichts dagegen, wenn Marko Rehmer auch in der Bundesliga nicht nur gut, sondern hervorragend spielt.

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