Sport : Respekt, bitte

Der Deutsche Fußball-Bund und die Bundesliga fürchten den Zorn der Fans gegen die Schiedsrichter

Friedhard Teuffel

Berlin - Der Tabellenneunte Hamburger SV empfängt den Tabellenzwölften Mainz 05, aber dennoch hat Franz-Xaver Wack bisher wohl selten ein Spiel von solcher Brisanz geleitet wie an diesem Samstag. Der Schiedsrichter aus Biberbach muss mit seinem Auftreten die Unparteilichkeit seinen gesamten Standes beweisen. Denn die Hamburger sind wahrscheinlich das prominenteste Opfer der Manipulationen von Schiedsrichter Robert Hoyzer. Ihr verlorenes Pokalspiel gegen den SC Paderborn kann wohl auch nicht wiederholt werden. Wird Wack die Wut der Hamburger Fans abbekommen?

Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga sorgen sich jedenfalls um die Schiedsrichter. Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger appellierte an die Fans, sie sollten „gerade am Wochenende die Leistungen der Schiedsrichter mit Respekt begleiten“. Und Liga-Präsident Werner Hackmann forderte alle Profivereine zur Unterstützung der Schiedsrichter auf.

Der Hamburger Trainer Thomas Doll hat vor dem Spiel eine Botschaft an die Fans aufgezeichnet, die auf der Videoleinwand abgespielt werden soll. Er wird die Fans zu Fairness und Respekt auffordern und sagen, dass der HSV auch weiterhin volles Vertrauen in die deutschen Schiedsrichter habe.

Die Fanklubs des HSV haben zwar dazu ausgerufen, sich beim DFB für eine Wiederholung des Pokalspiels einzusetzen. Einen Protest gegen die Schiedsrichter haben sie jedoch nicht angekündigt. Die Reaktionen der Fans im Internet auf Franz-Xaver Wack fallen bisher auch sehr moderat aus. „Der Mann von der Sonnenbank kommt zu uns in den Norden“, schreibt einer in einem Fanforum, und ein anderer äußert: „Der ist Zahnarzt, der wird wohl daher mit seinem Beruf genug Geld verdienen.“

Immerhin hat der DFB am Freitag noch kurzfristig einen Ringtausch bei den Schiedsrichtern vorgenommen. Der Schiedsrichterausschuss will die beiden Berliner Lutz-Michael Fröhlich und Manuel Gräfe schützen. Sie hatten gemeinsam mit zwei Berliner Kollegen den DFB über den Manipulationsverdacht gegen Hoyzer informiert und die Ermittlungen damit ins Rollen gebracht. An diesem Wochenende dürfen sie eine Pause machen. Fröhlich hätte eigentlich in Kaiserslautern gepfiffen, Manuel Gräfe im Dortmunder Westfalenstadion.

In Dortmund will Stadionsprecher Norbert Dickel die Fans am Anfang gar nicht um Fairness bitten: „Wenn wir auf ein sensibles Thema ansprechen, dann fällt die Reaktion der Fans gleich doppelt so scharf aus.“ Eine Ansage vor Spielbeginn würde alles nur noch schlimmer machen, sagt der ehemalige Profi, der 1989 mit den Dortmundern den DFB-Pokal gewann. Große Befürchtungen hat er jedoch nicht. Der Schiedsrichter im Spiel gegen Mönchengladbach wird Wolfgang Stark sein. „Ein guter Mann“, sagt Dickel.

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