Sport : Respekt gefordert

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Von Stefan Hermanns

Jeonju. George W. Bush hatte zum Telefon gegriffen und sich an die Elf seiner Nation gewandt. „Ich verstehe zwar nicht viel von Soccer, aber ich drücke euch die Daumen. Ihr repräsentiert das beste Land der Welt.“ Mister Präsident wollte der Mannschaft um Trainer Bruce Arena viel Glück wünschen für das nordamerikanische Nachbarschaftsduell mit Mexiko. „Das war unglaublich“, sagte später staunend US-Verteidiger Carlos Llamosa über den Anruf aus dem Weißen Haus, wo Bush das WM-Achtelfinale am Fernsehen verfolgte. Bush wird sich nun auch den kommenden Freitag 90 Minuten freihalten müssen. Dann nämlich trifft das US-Team im Viertelfinale in Ulsan auf Deutschland.

Völlig erschöpft lagen sich die US-Profis nach dem 2:0-Sieg über den Erzrivalen in den Armen. „Dass wir das Viertelfinale erreicht haben, ist wunderbar für Amerika. Ich glaube, wir haben uns großen Respekt erarbeitet“, sagte Arena. Und Torschütze Landon Donovan staunte eine Stunde nach dem Abpfiff: „Ich kann es gar nicht glauben.“

Der erstmalige Einzug in die Runde der besten acht seit 1930 war das Ergebnis einer kompakten Teamleistung. Brian McBride und Donovan hatten die Tore gegen weitgehend harmlose Mexikaner geschossen. Nur einmal gerieten die USA in Gefahr, als John O’Brien (55.) im Strafraum die Hand zu Hilfe nahm. Der portugiesische Schiedsrichter Pereira versagte den aufgebrachten Mexikanern den fälligen Elfmeter. „40 000 haben es gesehen, nur einer nicht“, schimpfte Javier Aguirre. Mexikos Trainer machte den Unparteiischen für die zehnte Niederlage im 48. Duell mit den USA verantwortlich.

„Auf dem Papier ist Deutschland haushoher Favorit“, sagte Arena. „Das Team hat den besten Torwart der Welt und den besten Torjäger dieser WM. Ich hoffe, wir können bestehen.“ Arena mag an den 27. März dieses Jahres gedacht haben. In Rostock unterlag sein Team den Deutschen 2:4. Für die Deutschen war es das erste Erfolgserlebnis nach zwei Niederlagen im Jahr 1999. In Jacksonville und später beim Konföderationen-Cup im mexikanischen Guadalajara hatte die deutsche Elf 0:3 und 0:2 gegen die USA verloren.

„Wir haben heute nicht so gut gespielt, aber besser verteidigt“, sagte Donovan, der von Bayer Leverkusen an die San Jose Earthquakes ausgeliehen ist und nach der WM Gespräche über eine Rückkehr in die Bundesliga führen will. „Unsere hervorragende Fitness war der Schlüssel zum Erfolg“, sagte Arena. Das Viertelfinale wird sehr schwer, aber wir werden bereit sein.“

Auch die Deutschen werden es sein. Michael Skibbe hatte sich zusammen mit Uli Stielike unter die 36 380 Zuschauern gemogelt. Was sie vom künftigen Gegner sahen, waren sein unbändiger Wille, hohe Effektivität bei der Chancenverwertung und Kampfkraft. Ansonsten stand das nordamerikanische Prestigeduell auf geringem Niveau.

Die USA gilt als Wunschgegner der deutschen Elf. „Wir sehen uns schon in der Pflicht, unsere Chance zu nutzen“, sagte Rudi Völler. Im Mannschaftshotel „Paradise“ hatte sein Team das Spiel am Fernsehen verfolgt. Der Ausgang hat „mich ein klein wenig überrascht“, sagte Marco Bode. Und Dietmar Hamann sekundierte: „Die USA scheinen eine sehr eingespielte Mannschaft zu sein“, das Kollektiv sei ihre Stärke. „Mir sind die Amerikaner lieber. Gegen die haben wir zuletzt in Rostock gut ausgesehen“, sagte Oliver Neuville. Der Teamchef jedenfalls fordert „Respekt“ vor dem Außenseiter. „Die Amerikaner zeigen zurzeit ganz große Moral. Es hat ihnen keiner zugetraut, dass sie bis ins Viertelfinale kommen.“ Angst aber sei nicht angebracht. Oder wie Oliver Bierhoff meinte: „Wir sind Favorit, wir werden das von der ersten Minute an klarmachen. Wir müssen nur sehen, dass wir in Führung gehen, weil sie in der Defensive sehr stark sind.“ Bei der WM 1998 reichte es noch zu einem 2:0. Andreas Möller und Jürgen Klinsmann trafen damals.

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