Sport : Respekt verloren

Die Eisbären blamieren sich beim 1:6 in Regensburg in jeder Hinsicht

Claus Vetter

Berlin - Zwei Stunden lang hatte Pierre Pagé „altmodisches und unfaires Eishockey“ ertragen müssen, wie der Berliner Trainer sagte. Für ihn Grund genug, seinem Kollegen Erich Kühnhackl von den Eisbären Regensburg den altmodischen Handschlag zu verweigern. Für das traurige Nachspiel nach dem Pokalspiel am Dienstag hatte Pagé auch eine Erklärung: „Das war eine Horrorshow. Die Regensburger haben versucht, unsere Spieler zu verletzen.“ Physisch übrigens, psychisch haben sie die Berliner tatsächlich verletzt: Der Meister verabschiedete sich mit einer 1:6-Niederlage im Viertelfinale aus dem Wettbewerb.

Nach dem Spiel wurde der Nebenschauplatz „Verweigerter Handschlag“ zum Hauptschauplatz. „Mir hat noch nie ein Trainer den Handschlag verweigert“, sagte Kühnhackl. „Und deswegen habe ich den Respekt vor Herrn Pagé heute verloren.“ Respektlos war in der Tat, wie die Eisbären in Regensburg antraten: Bis auf Patrick Jarrett und Richard Mueller waren keine Ausländer im Team, erfahrene deutsche Profis fehlten auch. Dass eine, vorrangig aus Oberliga-Spielern der Juniors bestehende Berliner Mannschaft bei einem Zweitligaspitzenteam chancenlos ist, durfte nicht überraschen.

Den Pokal haben die Berliner nur als lästiges Übel gesehen, daher haben sie ihre besten Spieler am Dienstag geschont und sich ohne Anstand aus dem Wettbewerb verabschiedet. Seine Spieler hätten keine Lust im Pokal zu spielen, sagt Pagé. Irgendwie habe keiner Lust auf den Pokal. Komisch nur, dass in Regensburg 4000 Zuschauer freiwillig Eintritt gezahlt haben, um den Meister zu sehen und zeitgleich Mannheim und Düsseldorf ihre Pokalspiele bei Zweitligisten souverän gewannen. Die Unlust am Pokal ist also vor allem ein Berliner Problem. Pagé sieht es anders. „Wir hatten 20 Spiele in 40 Tagen, meine Spieler sind kaputt. Das ist ein Programm, das würde ich nicht einmal meinem Pferd zumuten.“ Freilich, das Elend der Berliner ist selbst gewollt: Niemand zwingt sie, im Dezember auch noch beim Spengler-Cup anzutreten. Beim Turnier in Davos stehen noch einmal mindestens fünf zusätzliche Spiele für die Berliner auf dem Programm. Das Thema Spengler-Cup allerdings verteidigt Pagé. „Schließlich haben wir da die Chance, uns als Klub international zu präsentieren.“ Vielleicht klappt das ja besser als bei den Auftritten in der nationalen Provinz. Da gab es eine Niederlage für das Image der Eisbären und das Image ihres Trainers Pierre Pagé. „Ich kann das nicht anhören, was so ein renommierter Trainer von sich gibt“, sagte Kühnhackl. „Das ist peinlich.“

Gestern war den Eisbären gar nichts peinlich. Am Nachmittag gewährten sie ihren Fans in einem Kaufhaus am Alexanderplatz eine Autogrammstunde. Es muss ja weitergehen. Schon am Freitag in der Deutschen Eishockey-Liga gegen Augsburg. Dass seine Spieler – zumindest die, die in Regensburg waren – nun durchhängen, glaubt Pagé nicht. „Pokal und Meisterschaft sind zwei Dinge“, sagt er. „Ich bin davon überzeugt, dass unsere Saison noch sehr erfolgreich sein wird.“ Worte, die nach der peinlichen Pleite in Bayern irgendwie deplatziert wirken.

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