Resümée des WM-Auftakts : Stimmung für zwei an Tag eins

Der Zuschauerandrang kann noch stärker werden, das Publikum jubelt gezielt und scheint gut informiert. Unser WM-Reporter Friedhard Teuffel zieht ein erstes Resümée.

Friedhard Teuffel
Leichtathletik-WM - Feature
Blaue Stunde. Der erste WM-Tag im Olympiastadion geht zu Ende.Foto: dpa

Diese Leichtathletik-Weltmeisterschaften sind eigentlich gleich dreimal eröffnet worden. Zunächst am Freitag am Brandenburger Tor mit Musik und Show und ehemaligen Sportlern. Dann am Samstagvormittag ganz sportlich mit dem ersten Wettbewerb, der Kugelstoß-Qualifikation der Männer. Und dann am Samstagabend ganz förmlich mit einem Standardsatz von Bundespräsident Horst Köhler. „Ich erkläre die 12.IAAF-Leichtathletik-Weltmeisterschaften“ und so weiter. Soll nun keiner sagen, er hätte den Startschuss nicht gehört.

Feier und Eröffnung waren also säuberlich getrennt zwischen Brandenburger Tor und Olympiastadion und zwischen Freitag und Samstag. Es war wie bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften üblich nur ein kurzes Eröffnungszeremoniell im Stadion. Mit ein zwei Hymnen, der deutschen Nationalhymne und der des Internationalen Leichtathletik-Verbandes, eine geschmetterte Fanfare, die aus der Zeit stammt, als die Leichtathletik sich noch viel auf sich einbilden konnte.

Das Maskottchen Berlino führte eine Fahnenparade an, die Flaggen der 202  teilnehmenden Mitgliedsverbände wurden hereingetragen und auf der blauen Bahn hin- und hergewedelt. Da flatterten sie dann, während sich schon die Stabhochspringerinnen für ihre Qualifikation aufwärmten und die politische und sportliche Prominenz vorgestellt wurde. Das aktuelle Zustimmungsbarometer des Publikums: Bundespräsident Horst Köhler – achtzig Prozent Beifall mit einzelnen Jubelgeräuschen. Bundeskanzlerin Angela Merkel – sechzig Prozent Beifall. Berlins Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit – zwanzig Prozent Beifall, dreißig Prozent Pfiffe. Mit den Pfiffen machte das Publikum dann auch gleich noch bei Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble weiter.

Überhaupt war das Publikum äußerst meinungsstark. Es setzte seinen Jubel gezielt ein für herausragende Leistungen, für ein spannendes Finish, für deutsche Athleten – und für die Japanerin Yukari Sahaku. Die kam beim 10.000-Meter-Rennen als Letzte ins Ziel, eine Minute nach der Vorletzten. Aber das Publikum rollte vor ihr einen Teppich voll aufmunterndem Applaus aus, auf dem die Japanerin strahlend ins Ziel lief. Anstelle einer Siegerehrung gab es für sie dann noch eine Umarmung von Maskottchen Berlino.

Ein euphorisches Fachpublikum hat den ersten WM-Tag gestaltet. Es waren allenfalls 30.000 Besucher im Stadion. Das Organisationskomitee gab zwar bekannt, am Abend hätten 42.546 Zuschauer im Stadion gesessen, doch dabei hatte es bestimmt nicht die Menschen abgezählt, die auf den Klappsitzen saßen, sondern nur die abgesetzten Eintrittskarten – oder es hatte den Trubel geschätzt, den die Zuschauer veranstalteten. Diese Rechnung dürfte aufgehen, fast jeder Besucher schien Stimmung für zwei gemacht zu haben.

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