Sport : Retter ohne System

Welche Idee Rostocks Trainer Jörg Berger vom Fußball hat

Friedhard Teuffel

Wenn Jörg Berger von abstiegsgefährdeten Fußballvereinen gerufen wird, bringt er viele Ideen mit, aber kein festes Spielsystem. Seine Fußballphilosophie ist eine pragmatische. Der Trainer des FC Hansa Rostock glaubt nicht an das Ideal, mit jeder Mannschaft jedes System spielen zu können. „Es macht keinen Sinn, dass ich einer Mannschaft ein Spielsystem aufoktroyiere. Ich richte das System nach den Stärken der Spieler aus.“

Diese Einstellung hat vor allem mit Bergers beruflicher Biografie zu tun. Meistens kam der Trainer mitten in der Saison, er konnte keinen Einfluss mehr nehmen auf das Gesicht der Mannschaft. Ein ideales Spielsystem ist Berger daher zu viel Ballast, er möchte es flexibler haben.

Alemannia Aachen war Bergers letzte Station, bevor der 60 Jahre alte Sachse am Mittwoch den FC Hansa übernahm. In Aachen ließ er zwischenzeitlich ein 4-4-2-System spielen. Festgelegt hat er sich darauf nicht. „Als ich zwei gute Außenstürmer hatte, habe ich auch mit drei Stürmern gespielt. Als ich sie nicht mehr hatte, habe ich wieder umgestellt.“

Eine Konstante gibt es immerhin, es ist die Viererkette. Berger führt sie jetzt auch beim FC Hansa ein. Sein Vorgänger Juri Schlünz hatte drei Verteidiger eingesetzt. Doch die Rostocker Abwehr ist die schwächste der Liga, 31 Tore hat sie bislang zugelassen. Die Viererkette hält Berger für stabiler. Mit dieser taktischen Aufstellung werde er die Rostocker Spieler nicht überfordern, sagt Berger: „Hier sind viele Skandinavier in der Mannschaft, die sind taktisch gut ausgebildet.“

Jörg Bergers Sanierungsprogramm hat beim FC Hansa Rostock mit therapeutischen Einzelgesprächen begonnen. Als Retter bedrohter Fußballmannschaften ist seine Philosophie schließlich vor allem die: ein freier Kopf ermöglicht ein freies Spiel.

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