Rettung : 1860 München: Silberscheich am Horizont

Kurzfristig ist der Verein aus dem Gröbsten heraus: 1860 München hat sich in letzter Minute vor der Pleite gerettet. Nun könnte bald ein Investor aus Abu Dhabi einsteigen.

Carsten Eberts
Eine Pranke an der Rettung. Der TSV 1860 München hat die Auflagen der DFL für die laufende Saison im letzten Moment erfüllt.
Eine Pranke an der Rettung. Der TSV 1860 München hat die Auflagen der DFL für die laufende Saison im letzten Moment erfüllt.Foto: dpa

Noch bevor die Verantwortlichen von 1860 München ihr kurioses Märchen aus Tausendundeiner Nacht aufführen konnten, hat der finanziell schwer angeschlagene Verein am Freitag aus eigener Kraft einen ersten Schritt in Richtung Rettung getan. Die für die laufende Saison verlangten Auflagen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) wurden am Freitagnachmittag erfüllt. In letzter Minute erbrachte 1860 einen Liquiditätsnachweis in Höhe von angeblich 1,75 Millionen Euro – offenbar dank einer Zwischenfinanzierung über eine Hausbank. „Wir haben die Unterlagen zur Auflagenerfüllung fristgerecht eingereicht“, erklärte Geschäftsführer Robert Schäfer erleichtert. Zudem wurden, laut Schäfer, auch die Spielergehälter für den Monat März angewiesen.

Kurzfristig ist der Verein somit aus dem Gröbsten heraus. Gerettet ist 1860 jedoch keinesfalls. Sicherheit über diese Saison hinaus soll weiterhin eine Lösung bringen, die zu einem Chaosklub wie den Sechzigern wunderbar passen würde: Ein Scheich aus Abu Dhabi soll den Zweitligisten in Zukunft finanziell unterstützen.

Laut „Süddeutscher Zeitung“ handelt es sich bei dem noch anonymen Geldgeber offenbar um einen Geschäftsmann, der normalerweise in Abu Dhabi tätig sei, sich jedoch künftig auf dem europäischen Markt positionieren wolle. Der nimmt es offenbar so ernst, dass er den Verein zuerst auf Herz und Nieren prüfen möchte. Im Gespräch sind finanzielle Mittel weit über die Zehn-Millionen-Euro-Grenze hinaus, im Gegenzug soll der Investor 49 Prozent der Klubanteile erhalten.

Die endgültige Sanierung des Klubs könnte sich somit noch wochenlang hinziehen – doch klappt der Einstieg, wäre es ein Kuriosum im deutschen Fußball perfekt: Noch nie ließ sich ein Bundesliga-Verein maßgeblich von Scheichs finanzieren.

Noch am Freitagmorgen widersprachen die wichtigen Männer des Klubs den Gerüchten, wonach die vorläufige Rettung nahe sei. „Der TSV 1860 München ist noch nicht gerettet“, verkündete Geschäftsführer Robert Schäfer, „wir arbeiten weiter unter Hochdruck an einem tragenden Konzept.“ Trainer Reiner Maurer sagte: „Es wäre gut, vor Sonntag noch ein positives Signal zu bekommen.“

Dieses Zeichen bekam Maurer am Freitagnachmittag unerwartet doch noch.

Die endgültige Rettung von 1860 München wäre auch das Ende einer langen Leidensgeschichte. Seit Jahren prägen den Klub verschlissene Geschäftsführer im Halbjahresrhythmus, beschönigte Bilanzen, Punktabzüge, die ständige Diskussion um eine teure Mannschaft und große Talente, die zu Spottpreisen verschleudert wurden. Um den Aufstieg spielten die Sechziger lange nicht mehr mit. Fans forderten deshalb, den Klub besser insolvent gehen zu lassen, als von einer Katastrophe in die nächste zu schlittern. Ob sie ausgerechnet die Rettung durch einen fremden Scheich zufrieden stellen würde, ist fraglich.

Einer allerdings hat seinen Segen bereits erteilt: Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der die Sechziger als Mieter in der Münchner Arena gerne halten würde. „Mir sind die Besitzverhältnisse wurscht“, sagte Hoeneß. „Wenn das jetzt klappen sollte, wäre endlich mal ein einziger Geldgeber da.“ 1860 wäre schuldenfrei, müsste sich nicht mit Gläubigern herumschlagen und könnte, so Hoeneß, „endlich die Zukunft planen.“

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