Sport : Rettung aus der Wüste

Bewähren sich die German Open, könnte Katar auch nach 2005 das Tennisturnier in Berlin veranstalten

Frank Bachner

Berlin - Rechts stand ein riesiger Tannenbaum mit Elektrokerzen und Gepränge, links saßen die neuen Chefs des Damen-Tennisturniers German Open und verbreiteten erst mal besinnliche Stimmung. „Fröhliche Weihnachten“, sagte zum Beispiel Scheich Mohammad Bin Faleh Al-Thani, der Präsident des Tennisverbands von Katar. So feierlich-entspannt ging es in der Berliner Firmenzentrale eines Mineralöl-Multis vorerst weiter. „Wir versprechen, dass Berlin auch nach 2005 jedes Jahr ein wichtiges Tennis-Turnier haben wird“, verkündete der Scheich auch noch. Das war bemerkenswert. Bislang durfte man damit rechnen, dass die Katarer nach 2005 mit dem T-1-Turnier, der höchsten Kategorie eines Frauen-Tennisturnier unterhalb der Grand Slams, aus Berlin wegziehen werden. Des Scheichs beachtliche Nachricht hatte nur einen Haken: Sie war übertrieben. Auf dem Podium saß nämlich auch Georg von Waldenfels, der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB). Er hatte als Verbandsboss das defizitäre Turnier in diesem Jahr für 6,5 Millionen Euro an Katar verkauft. Und von Waldenfels sagte nüchtern: „Was nach 2005 passieren wird, muss man sehen. Da steht noch nichts fest.“ Da ruderten auch die Katarer zurück. Ayman Azmy Galal, der neue Turnierdirektor, erklärte: „Wir wollen erst sehen, wie das Turnier 2005 angenommen wird von Sponsoren, Medien und Zuschauern, dann sehen wir weiter.“ Fans und Medien müssen sich vor allem an einen sperrigen Namen gewöhnen: „Katar Total German Open Berlin 2005.“ So eine Konstruktion gibt es sonst auf der ganzen Welt nicht, aber die Katarer sind da nicht so kleinlich.

Sie wollen nicht unbedingt Geld verdienen mit dem Turnier, wie Galal behauptet. „Der Tennisverband von Katar ist kein Geschäftsunternehmen. Wir wollen unser Land gut darstellen. Das Turnier ist eine gute Bühne für die Tourismuswerbung.“ Bei 900 000 Euro Verlust, der beim Turnier 2004 entstand, ist die Konzentration auf einen ideellen Gewinn keine schlechte Idee. Sofern man den Turnierdirektor in diesem Punkt überhaupt beim Wort nehmen kann.

Immerhin: Drei bedeutsame Sponsoren hat der neue Turnierbesitzer schon. Total, der Mineralöl-Konzern, der als Titelsponsor auftritt und gestern Gastgeber war, Katar Airways und, warum auch immer, ein koreanisches Schiffsunternehmen.

Aber nach 2005, da ist alles offen. Sowohl von Waldenfels als auch der Scheich und der Turnierdirektor weigerten sich sehr bald, überhaupt an Möglichkeiten nach 2005 zu denken. Es gibt für diese Zeit verschiedene Optionen. Erstens: Das Turnier wird überraschend ein Erfolg, dann ist es durchaus möglich, dass die Katarer auch 2006 Berlin als Bühne für das T–1-Turnier benützen. Zweitens: Das Turnier floppt, und die Katarer als Lizenzinhaber richten das Turnier irgendwo anders in Europa aus, sofern Mai als Turniertermin bleibt. Bisher gelten die German Open als Test für die French Open. Das heißt, es muss auf Sand gespielt werden, und die Temperaturen dürfen nicht zu heiß sein. Damit schiede, im Mai, alternativ ein Turnier in Doha, Katar aus. Allerdings käme Madrid in Frage. Die Spanier hatten im Sommer viel Geld für die T-1-Lizenz des DTB geboten. Oder aber: Das T-1-Turnier findet viel früher im Jahr statt, dann aber in Katar. Dann würde es spannend, was in Berlin, in dem teuren Tennisstadion geboten würde.

Von Waldenfels jedenfalls ist auf alles vorbereitet: „Was 2006 passiert, weiß niemand. Die WTA könnte Veränderungen im Turnierplan vornehmen.“ Die WTA ist die Welt-Frauen-Tennisvereinigung, welche die Turnierserie veranstaltet. Der DTB-Chef konzentriert sich aus einem nachvollziehbaren Grund erst mal auf das Turnier 2005: Die DTB-Holding, die bislang die German Open veranstaltete, ist zu einem gewissen Prozentsatz auch am Turnierergebnis 2005 beteiligt. Machen die Katar Total German Open Berlin 2005 Verluste, dann muss auch indirekt der DTB, mit den Landesverbänden Besitzer der DTB-Holding, bluten.

Ob das Fernsehen einigermaßen umfangreich einsteigt, besser gesagt: der RBB, ist derzeit völlig unklar. Eurosport hat 2004 zwar das Turnier stundenlang übertragen, aber der Spartensender ist für Sponsoren nur mäßig attraktiv. Eine andere Geldquelle können die Turnierveranstalter jetzt immerhin anzapfen: Seit Donnerstag gibt es Karten für die Katar Total German Open Berlin 2005.

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