Sport : Rettung von der Bank

Zwei Platzverweise, ein verschossener Elfmeter und viele turbulente Szenen: Polen und Griechenland trennen sich zum Auftakt 1:1.

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Als Przemyslaw Tyton in der 70. Minute in die linke Ecke seines Tores tauchte und den Elfmeter von Griechenlands Kapitän Georgios Karagounis hielt, hallte ein Jubelsturm durchs Nationalstadion von Warschau. Kurz zuvor hatte Polens erster Torwart, Wojciech Szczesny die Rote Karte wegen einer Notbremse gegen Dimitrios Salpingidis gesehen. Polen stand vor einer schmerzlichen Niederlage. Sollte der Gastgeber der EM gleich verlieren und damit die Stimmung fürs ganze Turnier nach unten drücken?

Das ist nicht geschehen, und es lag vor allem an jener 70. Minute, als der eingewechselte Tyton den Strafstoß parierte. 1:1 stand es da, Tyton ließ auch sonst keinen Schuss mehr durch und so trennten sich beide Mannschaften auch mit diesem Ergebnis.

„Das war für mich ein Ereignis, diesen Elfmeter zu halten, aber wir können nicht zufrieden sein“, sagte Tyton. Besonders glücklich sahen die Männer in den dunklen Anzügen mit dem Logo des polnischen Fußballverbands nach dem Duschen auch nicht aus, obwohl sie überall verbreiteten, sie seien zufrieden. Aber kann ein EM-Gastgeber zufrieden sein, wenn er im Eröffnungsspiel froh sein muss, wenigstens noch ein Unentschieden erreicht zu haben? Er kann nicht. So konnte man nach dem Remis eine gewisse Portion Frust heraus hören. „Das 1:1 ist ein gutes Ergebnis, wir hätten noch verlieren können“, sagte der Dortmunder Profi Lukasz Piszczek. Und Trainer Franciszek Smuda meinte: „Viel schlimmer wäre gewesen, wenn wir verloren hätten“.

Danach allerdings erklärte er mit hängendem Kopf: „Wir wollten schon vor dem Ausgleich das Ergebnis halten.“ Statt den Vorsprung auszubauen verlor Polen die Kontrolle, weil es sein couragiertes Angriffsspiel aufgab. Die Folge nach dem 1:0 durch den Dortmunder Robert Lewandowski (17.): Die Griechen kamen zurück und die Partie wurde vor 56 070 Zuschauern angesichts zweier Platzverweise und eines verschossenen Elfmeters immer dramatischer. Bei den Griechen musste Sokratis in der 45. Minute mit Gelb-Rot vom Platz. Bei der Entscheidung, ein zweites Mal Gelb zu ziehen aber lag der spanische Schiedsrichter Carlos Velasco eindeutig daneben, er bestrafte einen harmlosen Schubser. „Wir haben es verpasst, daraus Kapital zu schlagen, dass wir einer mehr waren“, sagte Piszczek

Die Sache mit der Spielkontrolle machten die Griechen dann eindeutig besser. Aber auch sie waren hinterher unzufrieden. „Wir hätten gewinnen können, wir haben auf Sieg gespielt, das 1:1 ist nicht das richtige Ergebnis“, sagte Sokratis und beschwerte sich über den Schiedsrichter: „Das war nie eine Gelbe Karte.“

Die Zuschauer hatten sich noch vor dem Spiel an einer wohltuend kurzen und bunten Eröffnungszeremonie erfreuen können. Zwölf Minuten lang hatte der italienische Produzent Marco Balich ein Meer aus Blumenkostümen auf den Rasen gezaubert und sich dabei an Farben der Ausrichterländer orientiert. Der ungarische Pianist Adam György spielte die Etüde in A-Moll des polnischen Komponisten Frédéric Chopin, und der italienische „DJ Karmatronic“ präsentierte zum ersten Mal den EM-Song „The Game of the World“.

In diesem Spiel fanden sich die Griechen in der zweiten Hälfte immer besser zurecht. Die Polen dagegen schienen unkonzentriert, als in der 51. Minute Torwart Szczesny an einer Flanke vorbei sprang und der eingewechselte Salpingidis den Ball ins Tor schob. Statt den Vorsprung auszubauen, kassierte Polen den Ausgleich. Die meisten Zuschauer reagierten mit lauten „Polska-Rufen“ auf den Gegentreffer. Doch Spieler und Fans mussten sich am Ende mit dem Ausblick aufs nächste Spiel trösten. „Dann müssen wir spielen wie in der ersten Hälfte“, sagte Lukasz Piszczek. Und wieder mit dem zweiten Torwart. Zumindest das ist nach der Auftaktpartie keine schlechte Perspektive.

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