Sport : Revanche für Liechtenstein

Otto Baric ist Trainer der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft. Oder er war es, so genau weiß das keiner. Vor einer Woche hat seine Mannschaft die WM-Ausscheidungsspiele gegen die Türkei verloren, und jetzt muss der Mann wohl gehen. Noch ziert er sich, dementiert energisch seinen in der Presse schon kursierenden Rücktritt, aber der Nachfolger steht schon bereit. Nein, nicht Hans Krankl, Ivica Osim oder Frank Riijkard. Der neue Mann muss Lothar Matthäus heißen.

Das Ganze ist von langer Hand geplant, oder hat jemand ernsthaft geglaubt, "einer wie der Lothar Matthäus" (Lothar Matthäus) sei vor drei Monaten nach Wien gegangen, um auf Dauer mit Rapid um Platz elf zu spielen? (Das ist, nebenbei, auch ganz im Sinne Rapids, schließlich ist es nicht einzusehen, warum auf Dauer nur ein Verein unter Matthäus leiden soll). Franz Beckenbauer hat den Deal eingefädelt, denn er steht bei Matthäus im Wort mit dem Versprechen, er werde ihn irgendwann mal zum Bundestrainer machen. In welchem Land, das hat er nicht gesagt.

Die Österreicher stehen wiederum in der Schuld des Wahl-Kitzbühelers Beckenbauer. Dem prominentesten Steuerzahler des Landes schlägt man so einen kleinen Gefallen nicht ab, zumal an der österreichischen Nationalmannschaft ohnehin nicht mehr viel kaputtzumachen ist. Die Bundestrainer Josef Hickersberger (0:1 gegen die Färöer) und Herbert Prohaska (0:9 gegen Spanien) haben den Boden bereitet für Matthäus, dessen bisheriger Erfolg bei Rapid, nun ja, Raum für Steigerungen lässt. Sieben Punkte aus neun Spielen - das ist eine bemerkenswerte Bilanz, vor der sogar Alfred Riedel vom SV Ried kapituliert. Der Mann hat bis zur vergangenen Woche damit kokettiert, Österreichs erfolglosester Trainer zu sein, "eine schlechtere Bilanz als ich zu haben, ist eine Kunst". Das war vor dem vergangenen Samstag, vor Rieds 2:0-Sieg über Rapid Wien.

Welchen Gegner wird sich der Bundestrainer Matthäus wohl für seinen Einstand ausgucken? Vielleicht San Marino, den Vatikanstaat oder - Revanche muss sein - Liechtenstein. Dort hat Österreichs Nationalmannschaft vor einem Jahr ihr letztes Auswärtsspiel gewonnen, standesgemäß mit 1:0, aber auch solche Ergebnisse sind ja nicht für die Ewigkeit gemacht.

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