Sport : Revanche im Konfettiregen

Der im Sommer schon abgeschriebene Federer gewinnt das World-Tour-Finale gegen seinen Rivalen Nadal

Petra Philippsen[London]
Schnipsel Londoner Art. Zum Saisonabschluss stimmt bei Roger Federer wieder die Papierform. Foto: AFP
Schnipsel Londoner Art. Zum Saisonabschluss stimmt bei Roger Federer wieder die Papierform. Foto: AFPFoto: AFP

Es war bereits stockdunkel, damals im Sommer 2008, als Rafael Nadal auf dem Center Court von Wimbledon im Blitzlichtgewitter die goldene Trophäe küsste. Roger Federer saß derweil in sich zusammengesunken auf seinem Stuhl und starrte ins Leere. Für ihn war es der bis dato schlimmste Moment seiner Karriere, auch wenn diese fünf Sätze seither gemeinhin als das Beste gelten, das je auf einem Tennisplatz gezeigt wurde. Es war das letzte Treffen der beiden Dauerrivalen auf britischem Boden, und so erhofften sich die Londoner Zuschauer am Sonntag im Endspiel des World-Tour-Finales eine ähnlich berauschende Partie.

Ein episches und dramatisches Match wie damals in Wimbledon wurde es zwar nicht, aber immerhin ein hochklassiges, das die 17 500 Zuschauer in der ausverkauften Arena mitriss, und das Roger Federer schließlich mit 6:3, 3:6 und 6:1 gewann. „Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg, denn Rafa hatte eine Saison, wie sie sich jeder erträumt“, sagte Federer, als er den silbernen Pokal im Konfetti-Flitter emporreckte. Es war eine Genugtuung für den Weltranglistenzweiten, schließlich hatten ihn viele nach seinem bitteren Viertelfinalaus in Wimbledon im Sommer bereits abgeschrieben. Zu früh, wie er in dieser Woche bewies. Zum neunten Mal hatte sich Federer für den Saisonhöhepunkt der acht besten Profis qualifiziert, mit seinem fünften Titel zog er nun mit Ivan Lendl und Pete Sampras gleich. Die Rekordsumme von 1,23 Millionen Euro Preisgeld und 1500 Weltranglistenpunkte versüßten ihm den Triumph.

„Der Ball scheint auf ihn zu hören. So stark hat er seit den Australian Open nicht mehr gespielt“, hatte Novak Djokovic vor dem Spiel über Federer geschwärmt. So begann der 29-jährige Schweizer dann auch. Er spielte im ersten Satz wacher, aggressiver und flinker als Nadal, dem der über dreistündige Schlagabtausch im Halbfinale mit Andy Murray noch sichtbar in den Knochen steckte. Der Brite hatte eines seiner besten Matches überhaupt gegen Nadal gespielt, dabei 22 Asse geschlagen und fünf Punkte mehr geholt – und doch verloren. Es symbolisierte einmal mehr die derzeitige Ausnahmestellung des 24-jährigen Spaniers in dieser Saison, selbst auf dem bisher ungeliebten Hallenboden.

Und so verwunderte es auch nicht, dass Nadal zu Beginn des zweiten Durchgangs aufdrehte. Federer, der bis dahin souverän aufgeschlagen hatte, wackelte nun unter dem Druck des spanischen Kraftpakets. Mit seinem energischen, wuchtigen Winkelschlägen brachte er Federer in die Bredouille. Doch die Power Nadals reichte nur für einen Satz, Federer fand schnell wieder zu seinem fast fehlerfreien Spiel und vor allem zu der hohen Aufschlagquote. Nadal stemmte sich mit letzter Kraft gegen die Niederlage, doch er fand nie durchgehend zu dem besonderen Niveau, das er während des Turniers gezeigt hatte. Federer gelang so das Break zum 3:1 im dritten Satz, das zweite zum 5:1 besiegelte den achten Sieg im 22. Duell. „Gratuliere Roger, du hattest eine unglaubliche Woche“, sagte Nadal.

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