Sport : Revanche nach 20 Jahren

Brasiliens Volleyballer besiegen Russland im WM-Finale

Felix Meininghaus

Stelian Moculescu hat in den letzten Wochen viel Zeit mit seiner Fernbedienung verbracht. Zappend, immer auf der Suche nach ausländischen Fernsehsendern, die Bilder von der Volleyball-Weltmeisterschaft in Argentinien übertragen. Hier zu Lande, wo die Volleyballer bei den TV-Machern nicht gut gelitten sind, wurde diese WM standhaft ignoriert: „Die Deutschen“, nörgelt Moculescu, „haben wie immer nichts übertragen. Da kannst du dich schwarz ärgern.“ Oder die Vorteile nutzen, die eine Satelliten-Schüssel auf dem Dach bietet. Der Bundestrainer ist vor allem in Italien und Jugoslawien fündig geworden und konnte so miterleben, wie die Brasilianer in der Nacht zum Montag zum ersten Mal Weltmeister geworden sind.

Es war ein geschichtsträchtiger Erfolg, nicht nur, weil sich die Brasilianer nach dem WM-Titel bei den Fußballern auch bei den Volleyballern die Krone aufsetzten. Was in Südamerika viel bedeutet, denn dort rangiert das Spiel mit dem bunten Ball in der Gunst der Menschen hinter Fußball traditionell an zweiter Stelle. „Die Dimension dieses Erfolges“, sagte Trainer Bernardo Rezende nach dem finalen Erfolg gegen Russland, „werden wir morgen erleben, wenn wir nach Brasilien zurückkehren.“ Was der Erfolg von Buenos Aires für Rezende persönlich bedeutet, vermochte der Trainer dagegen schon früher einzuordnen. Vor 20 Jahren war er als Spieler dabei, als Brasilien erstmals bei einem WM-Finale mitschmettern durfte. Auch damals in Argentinien, auch damals gegen die russische Auswahl, die seinerzeit noch als Sowjetunion antrat. Der Unterschied bei der zweiten Auflage bestand im Umstand, dass die Brasilianer dieses Mal nach fünf hart umkämpften Sätzen für ein Happyend sorgten.

Ein Sieg, der Rezende „unglaublich glücklich“ machte. „1982 war ich als Spieler dabei und wir verloren das Endspiel“, sagte er nach dem Matchball unter Tränen. „Jetzt bin ich wieder in Buenos Aires und wir sind Weltmeister.“ Für den Trainer war es ein „überwältigendes Gefühl, das ich mit meinen heutigen Spielern und den alten Mannschaftskameraden teilen will“. Mit dem Gewinn der WM sorgten die Brasilianer auch dafür, dass die Dominanz der europäischen Teams nicht noch weiter anwuchs. Aber auch ohne Titel war die Überlegenheit der Nationen aus Europa frappierend: Alle elf qualifizierten Teams erreichten die Runde der besten 16, ab dem Viertelfinale war die WM eine europäische Veranstaltung mit argentinischer und brasilianischer Beteiligung.

Bei solchen Fakten müsste im Lager der Deutschen, die für die WM nicht qualifiziert waren, Panik ausbrechen. Schließlich ist der Deutsche Volleyball-Verband Ausrichter der Europameisterschaft im kommenden Jahr. Bei elf starken Nationen plus dem Team des Gastgebers ergibt sich ein so schlagkräftiges Starterfeld, dass Ausrutscher kaum verziehen werden. Immerhin einen Vorteil haben die Deutschen diesmal: Wenigstens bleiben ihnen bei der EM die Argentinier und die Brasilianer erspart.

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