Sport : Revolution mit Rückflugticket

Stefan Hermanns

über den zaudernden Revoluzzer Jürgen Klinsmann Wladimir Iljitsch Lenin, der große russische Revolutionär, hat einmal über die Deutschen gespottet, wenn sie einen Bahnhof besetzen müssten, würden sie sich vorher noch eine Bahnsteigkarte kaufen. Wie gut, dass Lenin Jürgen Klinsmann nicht gekannt hat. Klinsmann hat in den vergangenen Tagen den Eindruck erweckt, dass er ein kompromissloser Revoluzzer sei, der im Saustall DFB einmal richtig aufräumen will. Klinsmanns Revolution aber ist eine Revolution mit Rückflugticket. Sie endet spätestens kurz nach dem 9. Juli 2006.

Das Problem ist, dass die Veränderungen, die Klinsmann vorschweben, bis dahin gar nicht greifen können. Für die Nationalelf, die 2006 Weltmeister werden soll, kommen die Reformen zu spät. Wenn sie aber greifen, wird Klinsmann wieder in den USA leben. Logisch ist das nicht. Aber was will der Deutsche Fußball-Bund? Eine Mannschaft, die in zwei Jahren den Titel holt? Dann braucht er einen erfahrenen Trainer, der aus mäßigen Spielern ein funktionierendes Team formt. Oder will er jemanden, der die Strukturreform vorantreibt? Das könnte Klinsmann sein. Allerdings nicht, wenn er 2006 schon wieder verschwindet.

Nur einen Vorteil hat die kurze Vertragsdauer. Der DFB weiß nun, dass er in zwei Jahren schon wieder einen neuen Trainer braucht. Zwei Jahre dürften reichen, um einen Kandidaten zu finden.

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