Sport : Revolution mit und ohne Torpedo

Claus Vetter

Hardy Nilsson hat das schwedische Eishockey Ende der Neunzigerjahre revolutioniert. Der Trainer mit langjähriger Erfahrung in Deutschland führte das „Torpedo-System“ ein, eine offensive Taktik, laut der ein Team agieren statt reagieren und unterhaltsam viele Tore schießen soll. Früher galten schwedische Eishockeyteams als zuschauerlangweilende Defensivkünstler, mit Nilssons System verbreiteten sie endlich spielerischen Glanz. Zur Belohnung wurde Nilsson im Jahr 2000 zum Nationaltrainer gekürt – und 2004 gefeuert: Glänzend hatten sich die Schweden blamiert, etwa beim 3:4 gegen Weißrussland im Viertelfinale der Olympischen Spiele von Salt Lake City. Mit Nilsson holte die Eishockeynation in vier Jahren keinen Titel – und unter Nachfolger Bengt-Ake Gustafsson nun zwei in einem Jahr. Weltmeister, Olympiasieger: Nicht einmal die Russen haben das in ihren guten Tagen geschafft.

Erstaunlich an den schwedischen Erfolgen ist, dass es Siege eines neuen Systems und nicht der Stars sind – ihre prominenten Spieler Peter Forsberg und Mats Sundin fehlten den Schweden bei der WM. Dazu kam Geduld. „Wir bringen unsere beste Leistung, wenn es darauf ankommt“, sagt Trainer Gustafsson. Das ist bei den Skandinaviern unterhaltsam torreich für die Zuschauer und frustrierend torarm für die Gegner: 15:4 lautete das schwedische Torverhältnis in den drei K.-o.-Runden-Spielen der WM. Es ist die Mischung aus traditioneller Defensive und einst von Nilsson gepredigter Offensive, durch die Schweden zur neuen Eishockeymacht geworden ist.

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