Sport : Rezepte ohne Salz

Der neue Torwarttrainer Andreas Köpke soll den Streit zwischen Kahn und Lehmann entschärfen

Michael Rosentritt[Leipzig]

Seinen ersten Arbeitstag hatte sich Andreas Köpke etwas anders vorgestellt. Als Torwarttrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war er vor wenigen Wochen von seinem direkten Vorgesetzten Jürgen Klinsmann bestellt worden, nachdem dieser Sepp Maier nach 17 Dienstjahren wegen Befangenheit den Rücktritt nahe gelegt hatte. Doch während der ersten Trainingseinheit der Nationalelf vor dem Länderspiel am Mittwoch gegen Kamerun in Leipzig fand sich Andreas Köpke gestern zwischen den Pfosten wieder. Der 42-jährige Europameister von 1996 hechtete den Bällen nach. „Dass ich noch mal für die WM 2006 eingreifen würde, hätte ich nicht gedacht“, sagte Köpke hinterher und lachte.

Natürlich hat Klinsmann den früheren Nationaltorwart nicht deswegen eingestellt, um den Konkurrenzkampf im deutschen Tor zusätzlich anzuheizen. Der frühere Weggefährte Klinsmanns soll den wochenlangen Zwist zwischen Oliver Kahn (FC Bayern) und Jens Lehmann (FC Arsenal) glätten helfen. In der Trainingseinheit musste Köpke nur deshalb aushelfen, da Oliver Kahn „einen Tag Pflege“ einlegte und der Dritte im Bunde, der Stuttgarter Timo Hildebrand, „am Morgen wieder abgereist“ war, wie Köpke erzählte. Die deutsche Nummer drei im Tor war extra für eine Unterredung nach Leipzig gereist, zu der Köpke gebeten hatte. Er hätte mit den drei Kandidaten für den Platz im deutschen Tor ein positives Gespräch gehabt, wie Köpke sagte. Er habe seine Vorstellungen mitgeteilt, wie es in der heiklen Angelegenheit in den nächsten Wochen weitergehen soll. „Wir wollen zusammen einen klaren Weg beschreiten“, sagte Köpke, und wenn doch „Dinge in der Öffentlichkeit auftauchen sollten, sollte man zum Telefon greifen“.

Natürlich weiß Köpke, dass die Torwartdiskussion nicht am Runden Tisch oder gar mit einem Telefonat zu klären ist. „Der Konkurrenzkampf ist noch da“, sagte Köpke nach dem Treffen nüchtern. In den nächsten Tagen werde es noch ein Gespräch mit Vertretern des FC Bayern geben, „aber die Situation, die wir jetzt haben, ist so gewollt, und von der werden wir uns in keinster Weise abbringen lassen“, sagte Klinsmanns Assistenztrainer Joachim Löw.

Die gewollte Situation sieht Kahn als Nummer eins und Lehmann als den Herausforderer vor. „Ich bin ja in diese Konstellation hineingekommen“, sagte Köpke. Im Sommer nämlich war er es, der als Kolumnist für das Fachmagazin „Kicker“ den jungen Hildebrand als „Prototyp des modernen Torhüters“ gepriesen und Kahn nur auf Rang drei gelistet hatte. Zu diesem Zeitpunkt konnte Köpke nicht absehen, dass ihm einmal diese delikate Aufgabe übertragen werden würde. Nach seiner aktiven Laufbahn war Köpke als Repräsentant des Rechtevermarkters Sportfive und als Unternehmensberater unterwegs. Dabei traf er Führungskräfte und versuchte, die Erfolgsrezepte des Sports in die Wirtschaft zu tragen. So erzählt es Andreas Köpke auf seiner Homepage.

Inwiefern seine gesammelten Rezepte helfen werden, den seit Wochen anhaltenden Knatsch im deutschen Tor zu lösen, mochte er nicht sagen. Nur in einem Punkt hat Köpke eine klare Vorstellung. Bis zur WM werden zwar noch einige Spiele gespielt, aber aus eigener Erfahrung wisse er, dass man sich nicht erst kurz vor der WM auf eine Nummer eins festlegen könne. Kurz vor dem Abflug zur WM 1994 in die USA teilte ihm der damalige Bundestrainer Vogts mit, dass nicht er, sondern Bodo Illgner im Tor stehen werde. „Es gibt keinen optimalen Zeitpunkt, aber der damals war brutal“, sagte Köpke, der damals ein paar Tage brauchte, um damit fertig zu werden. „Damals saß mein Körper im Flugzeug, mein Kopf war nicht dabei“, sagt Köpke. Die Nummer drei war damals Oliver Kahn.

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