Sport : Rhythmen des Alltags

WM-Bronze und die Folgen für Albas Nationalspieler

Helen Ruwald

Berlin. Zweieinhalb Wochen ist es her, die Basketballer von Alba Berlin hatten gerade das Testspiel gegen Zalgiris Kaunas gewonnen. Henrik Rödl erzählte von der guten Laune und dem Schwung, den die Nationalspieler von der Weltmeisterschaft in Indianapolis mitgebracht hätten. Bronze hatten er, Jörg Lütcke, Marko Pesic, Mithat Demirel und Stefano Garris gewonnen. Dieser Erfolg würde Alba viel Begeisterung verleihen, so viel, dass die nur zweieinhalbwöchige gemeinsame Saisonvorbereitung der gesamten Mannschaft nicht tragisch sei.

Nach dem 93:74 gegen Oldenburg am Sonntag, dem dritten Sieg im dritten Bundesligaspiel, sprach Rödl nicht mehr von den positiven Aspekten der WM–Medaille. „Es gibt keine Nationalspieler mehr, das ist vorbei. Es gibt hier nur noch eine Mannschaft“, sagte Rödl. Nicht, dass die fünf Berliner ihren Rücktritt erklärt hätten. Im Gegenteil, sie alle stehen im vorläufigen Kader für die EM-Qualifikationsspiele gegen Irland, Zypern und Bosnien-Herzegowina.

Rödl meint etwas anderes: Der Triumph in den USA darf kein Thema mehr sein, jetzt zählt nur noch Alba. Denn es ist eine Krux mit der überraschenden WM-Medaille: Sie scheint die, die sie umgehängt bekamen, nicht nur anzuspornen, sondern auch zu lähmen. Spannungsabfall und Übersättigung statt neuer Höchstleistungen? Beim ersten Euroleague-Auftritt vor einer Woche gegen Efes Istanbul (63:84) sah es jedenfall danach aus. Gerade die Nationalspieler, die gemeinsam ganze 13 Punkte erzielten, ließen Führungsqualitäten vermissen. Nur Lütcke fiel nicht negativ auf – er fehlte verletzt. Pesic immerhin war nach seiner schlechten Leistung so sauer, dass er gegen Oldenburg 29 Punkte machte. Trainer Emir Mutapcic sprach wegen des 20:27-Rückstands nach dem ersten Viertel von streckenweiser Emotionslosigkeit der Nationalspieler. „Sie haben in Amerika viele Emotionen gelassen, dafür habe ich Verständnis.“ Allerdings hat der Deutsche Meister nur mit „mehr Emotionen von Anfang an“ und daraus resultierender Aggressivität heute (20.30 Uhr) bei Skipper Bologna eine Chance.

Nach der Rückkehr aus den USA hatten die Nationalspieler nur vier Tage Urlaub, zu wenig, um den Kopf frei zu bekommen. „Sie waren im Dunst des Erfolges, und dann kam sofort der Alltag, das ist sehr, sehr schwer“, sagt Albas Vizepräsident Marco Baldi, „der absolute Höhepunkt war vor der Saison, und jetzt müssen sie noch acht Monate spielen.“

Die, um die es geht, wollen von Emotionslosigkeit nichts wissen. „Die Spannung wird durch den Wettbewerbscharakter in jedem Training gehalten“, sagt Demirel, dem nach dem Weggang von Derrick Phelps der neu verpflichtete DeJuan Collins vorgesetzt wurde - ihn will er aus der ersten Fünf verdrängen, „ich bin in jedem Spiel hungrig.“ Lütcke, der auch heute wegen eines Muskelfaserrisses fehlt, hat sich zum Bundesligastart „gut gefühlt. Man muss sich umgewöhnen, wir haben neue Spieler“ bekommen. Vor seiner Verletzung spielte er in der Anfangsformation – gemeinsam mit Pesic und den Neuzugängen Collins, Quadre Lollis und Jovo Stanojevic. Sie hatten nur wenig Zeit, sich aneinander zu gewöhnen. Dennoch war es auch „eine Überraschung für uns, dass wir so schlecht gespielt haben“ gegen Efes, sagt Henrik Rödl, „ich bin gespannt, wie die Mannschaft in Bologna reagiert“.

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