• Ribbeck glaubt wieder an das Gute in der Nationalmannschaft - auch vor dem heutigen Spiel

Sport : Ribbeck glaubt wieder an das Gute in der Nationalmannschaft - auch vor dem heutigen Spiel

Martin Hägele

Als Erich Ribbeck im Herbst 1998 zum Teamchef der deutschen Nationalmannschaft bestellt wurde, hatten die hohen Herren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht so sehr seine Qualitäten als Trainer im Sinn. Vielmehr war die Fähigkeit des ehemaligen PR-Strategen gefragt, das Produkt Nationalmannschaft in der Öffentlichkeit wieder angemessen zu präsentieren. Zum aktuellen Statement ihres Vorgesetzten ("Die Nationalmannschaft besitzt nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert in der Gesellschaft") liefern die Profis dieser Tage im DFB-Quartier zu Zweibrücken den Beweis. Alle 21 zum Spiel in Kaiserslautern gegen die Schweiz (20.15 Uhr, live in der ARD) eingeladenen Nationalspieler sind gekommen. Keiner hatte absagen lassen oder ist im letzten Moment krank geworden, wie das sonst vor Länderspielen fast schon zur Regel geworden war.

Ribbeck hat aber auch noch eine eigene Version, warum seine Firma plötzlich wieder als in gilt: "Wenn ich es positiv für mich ausdrücken würde, würde ich sagen, die Leute schalten gerade deshalb ein, weil sie es für ungerecht halten, wie auf uns eingeprügelt wird." Ribbeck liebt es, so mit seiner Ironie zu kokettieren. Und irgendwann, so hofft er, soll es so werden, dass die Kritiker wieder vor ihrer eigenen Haustür kehren und die Nationalelf nicht länger als Platz sehen, wo man seinen Ballast abwerfen kann.

Ein frommer Wunsch. In der Tat können dem in die Diskussion geratenen Teamchef nur überzeugende Auftritte seiner Mannschaft helfen. Und nach dem Vergleich mit den international zweitklassigen Schweizern wird Ribbeck wohl schärfer denn je von seinen Kritikern bemessen werden. Was hat die jüngste Aussprache bewirkt, die an den verbalen Attacken von Jens Jeremies aufgehängt wurde? Und lässt sich aus den 90 Minuten vom Betzenberg eine halbwegs vernünftige Struktur ablesen? Ansätze, die zeigen, dass der Titelverteidiger in sechs Wochen nicht nur als Sparringpartner oder Prügelknabe zur Europameisterschaft fährt?

Ribbeck glaubt noch immer an das Gute in seinem Team. Beim letzten Test, dem 1:1 in Kroatien, hat er auf der Seenplatte von Zagreb Ansätze aus dem Wasser wachsen sehen, die viele Beobachter längst nicht so euphorisch bewertet haben. An diesem Spiel, das eigentlich gar kein richtiges Spiel gewesen ist, orientiert sich Ribbeck. Die Wasserballer, die sich vom WM-Dritten nicht unterkriegen liessen, zählen zu seiner Stammformation für die EM. Kroatien, das war drei Wochen lang das Zauberschwert des Teamchef. Damit hat er all seinen Kritikern, angefangen von Uli Hoeneß und Bernd Schuster, die eigentlich nur mal wieder eine gutes Spiel der Nationalelf einforderten, vor der Nase herumgefuchtelt.

Man braucht keine prophetischen Gaben, um jetzt schon vorherzusagen, dass auch der vorletzte Probelauf vor der EM keine weitreichenden Erkenntnisse bringen wird. Es wird ein munteres Wechselspielchen werden, weil es Ribbeck seinen Kollegen Gerard Houllier (FC Liverpool) und Jürgen Röber (Hertha BSC) versprochen hat. Der Liverpooler Dietmar Hamann wird nur eine Halbzeit eingesetzt, das gilt auch für die Berliner Darius Wosz, Marko Rehmer und Michael Preetz. Alle drei dürfen heute in der ersten Halbzeit ran und danach gleich wieder zurück nach Berlin.

Eine Position hat Ribbeck fest vergeben. Lothar Matthäus bleibt Erich Ribbecks Libero. Auf dieser Position hat sich der Leverkusener Jens Nowotny zum derzeit vielleicht stärksten deutschen Bundesligaspieler entwickelt. Im DFB-Team aber bleibt ihm nur der Part als Denkmalpfleger für den Weltrekordnationalspieler.

Allen, die sich Sorgen um die Verfassung des 39-Jährigen gemacht haben, hat der ewige Lothar erzählt, er sei körperlich besser drauf als bei seinem Abschied von Bayern München. "Es fehlt manches im US-Fußball, aber nicht die Fitness. Wir haben das ja zweimal schmerzlich erlebt." Ist schon ein Traumland, dieses Amerika, wo Alte Herren wieder rennen wie junge Hüpfer. Sie rechnen ja auch ihre Tabellen ganz anders aus. Obwohl Matthäus mit seinen Metro-Stars von fünf Spielen drei verloren hat, ist er als Tabellenführer seiner Liga über den Atlantik geflogen. Das sei ein ganz komische Geschichte, hat Lothar Matthäus zu einem Reporter gesagt, "da brauchen wir ein paar Bier und mindestens eine Viertelstunde, bis du das begriffen hast". Könnte man dieses System nicht auch für die Europameisterschaft übernehmen? Zur Antwort hat Matthäus gelacht. Sein Nebenmann, Erich Ribbeck, nicht.

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