Sport : Ribbeck-Nachfolge: Daum verabschiedet sich von der Trainer-Diskussion

Wer will jetzt schon Bundestrainer werden? Kein Personal, keine Perspektive, kein hohes Gehalt, obwohl sich darüber vielleicht reden ließe. Die Zahl der Interessenten auf einem adäquaten Niveau ist gering, und sie wird von Tag zu Tag geringer. Am Montag hat der Elsässer Arsène Wenger abgesagt, gestern Christoph Daum. Der Trainer von Bayer Leverkusen wählte für seinen Rückzug eine angemessene Bühne: das Fachblatt "Kicker". Also schrieb Christoph Daum in seiner dort publizierten Kolumne ganz im Stile des Rekord-Nationalspielers Lothar Matthäus, der sich selbst auch so gern in der dritten Person erwähnt: "Ich sage jetzt und hier: Christoph Daum steht für die Position als Bundestrainer nicht zur Verfügung, und damit verabschiede ich mich aus dieser Diskussion."

Das erfreut seinen jetzigen Dienstherren Bayer Leverkusen und ärgert seinen früheren. Gerhard Mayer-Vorfelder, unter dessen Präsidentschaft Daum 1993 den VfB Stuttgart zur Deutschen Meisterschaft geführt hatte, soll für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Cheffahnder den neuen Mann auswählen. Mayer-Vorfelder hatte fest auf Daum gesetzt und dafür auch schon die Zustimmung von Franz Beckenbauer eingeholt. Der mächtige Münchner hatte zunächst den früheren Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni favorisiert, dann aber eingesehen, dass diese Lösung keine Mehrheit finden würde. Beckenbauer hätte den in München immer ein wenig misstrauisch beäugten Daum akzeptiert, wenn dieser seinen Job in Leverkusen aufgegeben hätte. Die Dopellösung mit einem Vereins- und Bundestrainer Daum aber wollten die Münchner nicht hinnehmen, eine zu starke Position des Rivalen aus Leverkusen befürchtend. Daum hätte sich also aus der Bundesliga verabschieden müssen. Davon hätte sich der ehrgeizige Fußballlehrer vielleicht noch überzeugen lassen, doch Bayer bestand auf dem bis 2001 gültigen Vertrag.

Nach Daums Absage ist der DFB, der am Wochenende bei einem Krisengipfel die Situation erörtern wird, noch mehr in Not geraten. Noch immer denken die DFB-Oberen mit Schrecken an den September 1998, als nach der Absage der Wunschkandidaten Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld plötzlich die Verlegenheitslösung Erich Ribbeck präsentiert wurde. So etwas will der designierte DFB-Präsident Mayer-Vorfelder unbedingt vermeiden. Kommt es jetzt zu einer halbherzigen Lösung?

Auf einmal ist nämlich die bereits verworfene Variante mit Giovanni Trapattoni wieder ein Thema. Der für gewöhnlich bestens informierte "Kicker" will erfahren haben, dass der Italiener ("Das wäre eine Ehre für mich") zwei frühere Nationalspieler als Sekundanten erhalten soll. Einer davon soll Lothar Matthäus sein. Der hatte am Dienstag mit seinem 150. Länderspiel gegen Portugal seine internationale Karriere beendet. Bis Ende des Jahres steht er noch in New York bei den MetroStars unter Vertrag. Dieses Problem sollte für den DFB zu lösen sein. Das mit der Person Matthäus und seinem Verhältnis zu den Kollegen in der Nationalmannschaft dürfte nicht so leicht aus der Welt zu schaffen sein. Bei der EM hatten sich massive Widerstände gegen den 39-Jährigen geregt.

Auch Jupp Heynckes scheint noch im Rennen zu sein. Unmittelbar nach dem Debakel hatte er sein Interesse signalisiert. Doch auch Heynckes ist noch gebunden: bis 2001 bei Benfica Lissabon. Er selbst brachte den Holländer Louis van Gaal ins Gespräch "Ich plädiere zwar auch für einen deutschen Trainer, aber wenn sich die Suche als zu kompliziert erweist, würde ich an einen international efolgreichen Trainer denken. Van Gaal hat bei Ajax Amsterdam und Barcelona bewiesen, dass er methodisch zu arbeiten versteht und Visionen hat."

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