Sport : Ribbeck verspricht offensive Einstellung der Nationalmannschaft

G. Derichs/O. Hartmann

Die deutschen Nationalspieler sinnen auf Revanche, der Teamchef verspricht einen Drei-Mann-Sturm, und der Präsident entdeckt bei der Stippvisite eine verschworene Gemeinschaft. Wie ein Patron besuchte DFB-Chef Egidius Braun die Nationalmannschaft beim Training im Münchner Olympiastadion, wo am Sonnabend gegen die Türkei das EM-Ticket gelöst werden soll. "Das ist keine Millionärstruppe. Bei den Spielern spürt man Begeisterung und Emotion. Sie wollen das 0:1 aus dem Hinspiel unbedingt korrigieren", befand Braun. Für das Duell um den Sieg und die damit verbundene Direktqualifikation zur EM-Endrunde ließ er keine Zweifel an der Vorgabe: "Das Spiel hat eine sehr große Bedeutung. Ich erwarte natürlich einen Sieg."

Damit deckten sich seine Vorstellungen des 74-Jährigen exakt mit den Plänen der sportlichen Leitung. Teamchef Erich Ribbeck frischte die Erinnerung an das Hinspiel in Bursa vor einem Jahr auf. "Es hat uns sehr gewurmt, dass wir verloren haben, obwohl wir nicht die schlechtere Mannschaft waren. Deswegen haben wir noch eine Rechnung offen", erklärte Ribbeck nach dem Training am Mittwoch. Zugleich kündigte der 62-Jährige an, dass er trotz der günstigen Ausgangslage - der Europameister benötigt nur einen Punkt für die direkte EM-Qualifikation - an seinem Offensivkonzept festhält.

"Wir haben ein Heimspiel und wollen gewinnen. Alles andere muss aus den Köpfen raus", betonte Ribbeck, der drei oder sogar vier Stürmer aufbieten will. "Das ist kein Lippenbekenntnis. Manchmal sagt man, man will offensiv spielen lassen, aber dann tauchen sieben Defensivspieler in der Aufstellung auf", meinte der Teamchef, der derzeit eher Probleme in der Defensive hat. "Wir hatten noch nie einen Kader, in dem so wenige Abwehrspieler standen", sagte er über seine 18 Akteure, von denen nur die drei Münchner Lothar Matthäus, Markus Babbel und Thomas Linke unter der Rubrik Abwehr geführt werden. Mit Torwart Jens Lehmann setzte gestern jener Spieler wegen einer fiebrigen Bronchitis mit dem Training aus, der für den einzigen kontroversen Gesprächsstoff im DFB-Quartier am Starnberger See gesorgt hatte. Ribbeck hatte dem 29-Jährigen klar gemacht, dass er wieder für Oliver Kahn Platz machen müsse.

Seinen ersten offiziellen Auftritt im DFB-Team hatte Neuling Sebastian Deisler, der rund 100 Journalisten Rede und Antwort stand. "Ich bin toll aufgenommen worden in der Mannschaft", sagte der 19-jährige Herthaner nach der ersten Nacht im DFB-Hotel. "Seit meinem ersten Bundesligator für Gladbach gegen 1860 ist der Medienrummel groß. Ab und zu muss ich mich selbst ein bisschen wach klatschen, aber ich bin noch der Alte. Manche wollen aus mir einen Popstar machen, aber ich will eigentlich nur Fußballer sein", sagte Sebastian Deisler.

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